Weltblick ohne Weitblick?

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Denen, die allein in China die große Bedrohung der Zukunft sehen, fehlt der Weitblick, auf die wir uns bei unseren Analysen stützen.

Von der Redaktion

Welches Land wäre der führende Kandidat für die Position der unangefochtenen Weltmacht Nr. 1 in einer postamerikanischen Welt? Die Reaktion mancher Leser dieser Zeilen ist wahrscheinlich, dass die Frage hirnrissig sei. Schließlich sind die USA zurzeit die einzige wahre Supermacht. Das mag sein, aber die Geschichte zeigt uns, dass alle bisherigen Supermächte von der Weltbühne verschwunden sind. Einige politische Kommentatoren verteilen bereits ihre Prognosen für die Zeit nach dem Ende der amerikanischen Dominanz. Ihre Meinung ist jedoch Spekulation, denn ihrem Weltblick fehlt der notwendige Weitblick.

In den USA selbst tippen einige Analysten auf die Volksrepublik China als das Land, das Amerika in Zukunft die meisten Probleme bereiten wird. Unser Leitartikel auf Seite 4 zeigt einen Aspekt der Problematik, der auf die USA zutrifft. Seit Jahren finanzieren die Chinesen mit ihren massiven Käufen amerikanischer Staatsanleihen einen wesentlichen Teil des amerikanischen Haushaltsdefizits. Zusammen mit dem beachtlichen Handelsüberschuss Chinas mit den USA verfügt die Volksrepublik derzeit über Währungsreserven von schätzungsweise 1,5 Billionen US-Dollar. (Sie haben richtig gelesen: 1,5 Billionen!) Diese riesige Summe bedeutet, dass die Chinesen jedem Bürger ihres bevölkerungsreichen Landes eintausend US-Dollar schenken könnten, ohne ihre Währungsreserven zu erschöpfen.

Nun sind die Chinesen – wie andere auch, die über beträchtliche Dollar-Rücklagen verfügen – nicht sehr erfreut darüber, dass der Wert ihrer Währungsreserven in den letzten sechs Jahren aufgrund der Dollar-Schwäche stark gefallen ist. Sollten die Chinesen aufhören, amerikanische Staatsanleihen zu kaufen, hätten die Amerikaner Mühe, ihren Bundeshaushalt zu finanzieren. Wenn die Chinesen ihre Währungsreserven im großen Stil umtauschen sollten, würden sie damit erheblich zur weiteren Schwächung der amerikanischen Währung beitragen.

Der unaufhörliche Aufbau des chinesischen Militärs und das selbstbewusste Auftreten Chinas im Wettbewerb um Energielieferungen ruft Erinnerungen an die vor einem Jahrhundert geschürte Angst vor der „gelben Gefahr“ wach. Doch denen, die allein in China die große Bedrohung der Zukunft sehen, fehlt der Weitblick, auf die wir uns bei unseren Analysen stützen. Überlegen Sie kurz: Die Chinesen sind bereits dabei, einen Teil ihrer Währungsreserven umzutauschen, um so ihre Abhängigkeit vom schwächelnden US-Dollar zu reduzieren. Welche Währung wäre für sie als Ersatz für den Dollar interessant? Der Euro natürlich, der jetzt schon weltweit ca. 25 Prozent der Währungsreserven stellt.

In einer postamerikanischen Welt wären die Europäer zum Handeln gezwungen. „Die Europäer werden einen Teil der Bürde der Weltordnung übernehmen müssen, die Amerika ihnen bisher ersparte“, meinte DIE WELT dazu (18. Juni 2008). Das Ausmaß dieses Anteils wird jedoch eine Dimension annehmen, die kein politischer Analyst heute voraussehen kann.

Journalisten haben ihre Quellen, die sie für ihre Berichterstattung und Analysen heranziehen. Auch wir haben eine Hauptquelle für die Vorhersagen, die wir Ihnen in Gute Nachrichten geben. Wir haben uns der Aufgabe verpflichtet, Weltereignisse und -trends im Lichte der Bibel zu analysieren und zu erklären. Unsere Sichtweise über die kommende postamerikanische Welt finden Sie in unserer kostenlosen Broschüre Amerika und Großbritannien: Was sagt die Bibel über ihre Zukunft?.

– Gute Nachrichten Juli-August 2008 PDF-Datei dieser Ausgabe

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