Wohin führt die wachsende Kluft zwischen Europa und den USA?

Wohin führt die wachsende Kluft zwischen Europa und den USA? © Сергей Ремизов/Pixabay
„Der Euro wurde speziell dazu konzipiert, die globale Vorherrschaft des US-Dollars als die weltweit bevorzugte Reservewährung anzugreifen“, meint T. R. Reid, Korrespondent der „Washington Post“.

Einem Großteil Europas ist die globale Überlegenheit der USA schon lange ein Dorn im Auge. Wird der Traum einer europäischen Supermacht wahr, die der Dominanz der USA Paroli bieten könnte?

Von Melvin Rhodes

Das Buch After the Empire: The Breakdown of the American Order (2003) [„Weltmacht USA, Ein Nachruf“] ist in Frankreich und Deutschland ein Bestseller, hat aber nur wenig Aufmerksamkeit in den USA erfahren. Das ist angesichts der höchst negativen Darstellung der USA nicht weiter verwunderlich. Nichtsdestoweniger sollten Amerikaner es lesen, um zu verstehen, warum viele Europäer eine solch negative Sicht von den USA haben.

Emmanuel Todd, der Autor des Buches, ist als Forscher am Französischen Nationalinstitut für demographische Studien in Paris tätig. Er argumentiert, daß „Amerikas wirklicher Krieg sich um die Wirtschaft dreht, nicht um den Terrorismus“. Er glaubt, daß die USA „durch eine symbolische Zurschaustellung ihrer militärischen Macht im Herzen Eurasiens versuchen, ihren Status als das Finanzzentrum der Welt aufrechtzuerhalten und hoffen, daß sie dabei ihre industrielle Schwäche, ihre finanziellen Erfordernisse und ihren räuberischen Charakter vergessen und [andere] zum Ignorieren derselben bewegen können“.

Zur Erklärung, wie er und viele andere die Auswirkungen des Feldzugs gegen den Terrorismus sehen, schreibt Todd: „Statt das Bild von Amerikas globaler Führung zu stärken, wie es die gegenwärtige Administration in Washington erwartet hatte, hat ihr erzwungener Marsch in den Krieg einen rapiden Niedergang des internationalen Status der USA verursacht“ (Seite xviii).

„Ein militaristisches, aufgewühltes, unsicheres, ängstliches Land“

Ironischerweise geben einige mittlerweile widerwillig zu, daß sich angesichts der ersten wirklich demokratischen Wahlen der modernen Geschichte in Afghanistan bzw. dem Irak und Anzeichen für mögliche deutliche Veränderungen in Ägypten, dem Libanon und bei der Palästinensischen Autonomiebehörde, die amerikanische Administration mit ihrer gegenwärtigen Strategie für den Nahen Osten möglicherweise doch auf dem richtigen Weg befindet.

Das ist jedoch nicht die allgemeine Auffassung europäischer Intellektueller. Todd glaubt, daß die militärischen Bestrebungen der USA sogar ein Zeichen der Schwäche statt der Stärke sind. Seine Sichtweise erklärt er wie folgt: „Die Größe des Gegners, den sich die USA auserwählt haben, ist der wahre Indikator für ihre gegenwärtige Macht. Die Schwachen anzugreifen ist kaum ein überzeugender Beweis für die eigene Stärke ... Die USA geben vor, weiterhin die unentbehrliche Supermacht der Welt zu sein, indem sie unbedeutende Gegner angreifen.

Aber dieses Amerika – ein militaristisches, aufgewühltes, unsicheres, ängstliches Land, das seine eigene Unordnung um den ganzen Globus verbreitet – ist kaum diese ,unentbehrliche Nation‘, die es zu sein behauptet, und ist sicherlich nicht das, was der Rest der Welt zur Zeit wirklich braucht“ (Seite xvii).

Mark Leonard, Direktor für Internationale Politik am „Centre for European Reform“ in London und Autor des neuen Buches Why Europe Will Run the 21st Century [„Warum Europa das 21. Jahrhundert bestimmen wird“], schätzt Amerikas Einfluß durch seine militärischen Möglichkeiten ähnlich ein: „Die einsame Supermacht kann bestechen, überreden, einschüchtern oder ihren Willen fast überall in der Welt durchboxen – aber sobald sie sich wieder abwendet, verschwindet die Wirkung.“

Die Reaktion der meisten Amerikaner auf die Ausführungen von Emmanuel Todd wäre wohl Ablehnung, wahrscheinlich mit einem Hinweis auf die Geschichte der USA und Europas im letzten Jahrhundert. Schließlich haben die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg für die Befreiung Europas gegen den Totalitarismus gekämpft, und gerade deshalb sollte man über den Inhalt von Todds Buch nachdenken. Seine Meinung spiegelt immerhin eine Sicht von Amerika wider, die Millionen von Europäern – und viele Menschen in anderen Regionen der Welt – teilen.

Nur wenige Amerikaner sind sich bewußt, wie sehr antiamerikanische Gefühle die Bemühungen um ein vereintes Europa als eine den USA ebenbürtige Supermacht antreiben. In der EU „mögen Schweden und Griechen Mühe haben mit der Gemeinsamkeit, aber sie können sich darauf verständigen, nicht Amerikaner zu sein“, so sieht es der aus Rumänien stammende Politologe Andrei S. Markovits, der zur Zeit Professor für Politik und deutsche Studien an der Universität von Michigan ist.

Nur eine Frage der Zeit: Die Vereinigten Staaten von Europa

„Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist auf der anderen Seite des Atlantiks eine geopolitische Revolution von historischem Ausmaß im Gange: die Vereinigung Europas. Fünfundzwanzig Nationen haben sich verbündet – und etwa ein weiteres Dutzend steht auf der Warteliste – um eine gemeinsame Wirtschaft, Regierung und Kultur zu etablieren. Europa ist heute eine integriertere Region als jemals zuvor seit dem Römischen Reich.“

So beginnt die Einleitung zu The United States of Europe [„Die Vereinigten Staaten von Europa“], einem neuen Buch von T. R. Reid, Korrespondent der Washington Post und vormals Leiter des Londoner Büros dieser einflußreichen Zeitung.

In einem Interview im öffentlich-rechtlichen Rundfunk der USA, dem „National Public Radio“, beschrieb Reid die Europäische Union als die größte Bedrohung von Amerikas Interessen in der Welt. In der Sendung begründete er seinen Standpunkt damit, daß Europa mittlerweile Amerika in jeder Hinsicht überlegen ist, den Bereich der militärischen Macht ausgenommen.

Die EU „hat eine größere Bevölkerung, mehr Reichtum und ein größeres Handelsvolumen als die Vereinigten Staaten ... Sie hat mehr Stimmanteile in jeder internationalen Organisation als die USA, und sie vergibt mehr Gelder für die Entwicklungshilfe. Das Ergebnis ist ein globaler ökonomischer und politischer Einfluß, der die Europäische Union genau zu dem macht, wozu sie seine Führer machen wollen: eine zweite Supermacht, die sich mit den USA messen kann.“

Der Titel seines Buches leitet sich von einer Bemerkung des verstorbenen britischen Premierministers Winston Churchill ab. In der Folgezeit des Zweiten Weltkriegs stellte er fest, daß der beste Weg, einen weiteren größeren europäischen Konflikt zu verhindern, darin bestünde, die Vereinigten Staaten von Europa zu schaffen. Fast sechzig Jahre später sind die Europäer dabei, dieses Ziel zu erreichen. Trotz der Rückschläge bei der Ratifizierung einer europäischen Verfassung wird sich der Einigungsprozeß fortsetzen, um die vollständige politische Union herbeizuführen, die sich ihre Gründer vorgestellt hatten.

Der Euro – Konkurrenz für den Dollar

Reid sieht die Einführung des Euro als wichtigen Wendepunkt beim Aufstieg der Europäischen Union im globalen Wettstreit mit den USA. Der Euro kann nun mit dem Dollar um die globale finanzielle Vorherrschaft konkurrieren.

„Vom ersten Tag an hatte der Euro mehr tägliche Nutzer als der US-Dollar. Als Verrechnungseinheit für eine Währungszone, die zwei der weltweit fünf reichsten Länder mit einschließt (Deutschland und Frankreich) und auch vier der reichsten zwölf (Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien), wurde der Euro bereits am Tag seiner Einführung zur zweitwichtigsten Währung der Welt.

Aber die Europäer haben noch weitergehendere Ambitionen. Der Euro wurde speziell dazu konzipiert, die globale Vorherrschaft des US-Dollars als die weltweit bevorzugte Reservewährung und als Standardverrechnungseinheit für internationale finanzielle Transaktionen anzugreifen.“

T. R. Reid beendet den entsprechenden Absatz mit einem Zitat des britischen Analysten Will Hutton: „Mit dem Euro hat die EU jetzt die Waffe, mit der sie zurückschlagen kann“ (Seite 64).

Die USA fördern den Aufstieg des Euro durch unaufhörliche Ausgabenüberschüsse und umfangreiche Kreditaufnahmen. Dadurch wird die Unsicherheit über die Stärke des amerikanischen Finanzsystems geschürt und der Wert der amerikanischen Währung nach unten gedrückt. Das verhilft den USA wohl zu mehr Exporten, es hat jedoch auch die Auswirkung, daß das Vertrauen in die USA verringert und das Vertrauen in die Europäische Union als reelle Alternative gestärkt wird.

Verdrängt der europäische Traum den amerikanischen Traum?

The European Dream (2004) [„Der europäische Traum“] ist ein weiteres Buch über Europa und wurde von Jeremy Rifkin, Präsident der „Foundation on Economic Trends“ in Washington, D.C. verfaßt. Der Untertitel seines Buches lautet „Die Vision einer leisen Supermacht“.

Über Generationen inspirierte Amerika Menschen überall auf der Welt. Man wollte manche Aspekte des „American way of life“ nachahmen. Nun, so argumentiert Jeremy Rifkin, wird der amerikanische Traum durch einen europäischen Traum ersetzt.

Die Europäische Union, die vor weniger als fünfzig Jahren mit nur sechs Mitgliedern ihren Anfang nahm, hat nun fünfundzwanzig Mitglieder, von denen zehn erst im letzten Jahr hinzugekommen sind. Andere Länder wollen auch beitreten. Kürzliche Revolutionen in der Ukraine, Georgien und Kirgisistan untermalen diesen Trend. Ein junger Mann, der in Bischkek in Kirgisistan den Sturz des früheren korrupten Regimes feierte, sagte einem Reporter des britischen Senders BBC: „Wir alle wollen jetzt wie Europa sein.“

Während der amerikanische Traum auf dem individuellen Erwerb von Reichtum aufbaute, ist der „neue europäische Traum ... so attraktiv, weil er es wagt, eine neue Geschichte vorzuschlagen, die sich auf Lebensqualität, Nachhaltigkeit, Frieden und Harmonie konzentriert. In einer nachhaltigen Zivilisation, die auf Lebensqualität basiert und nicht auf der unbegrenzten Akkumulation individuellen Reichtums, gehört die materielle Basis des modernen Fortschrittsdenkens der Vergangenheit an“, schreibt Rifkin in seiner Einleitung.

Der europäische Traum wird von einigen als „der dritte Weg“ oder die sozialistische Demokratie bezeichnet, ein Ansatz in der goldenen Mitte zwischen dem amerikanischen und dem früheren sowjetischen Lebensmodell. In zunehmendem Maße sind die USA für Europäer ein gescheitertes Modell, genauso wie es die Sowjetunion vor einem Jahrzehnt und davor gewesen ist.

Die Europäer sind weitaus weniger empfindlich gegen hohe Steuern und Eingriffe der Regierung in ihre persönliche Lebenssphäre als viele Amerikaner und sehen ihre Sozialsysteme als humaner und sicherer an. Analysen zeigen hingegen, daß die Bevölkerungsmodelle, auf denen diese Systeme seit Jahrzehnten basieren, überholt sind mit der Folge, daß die sozialen Sicherungssysteme Europas in ihrer jetzigen Form auf Dauer nicht aufrechterhalten werden können.

Ironischerweise beruht der europäische Wohlstand weitgehend darauf, daß die Länder Westeuropas jahrelang keine bedeutenden Summen aus dem öffentlichen Haushalt für die militärische Sicherheit aufwenden mußten. In der Nachkriegszeit sorgten die USA für diese Sicherheit mit ihrem militärischen Schirm.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion stellt Europa die Notwendigkeit des amerikanischen Schutzes zunehmend in Frage, sieht aber auch keine Notwendigkeit für eine Ausweitung der eigenen Militärausgaben. Das wird sich im Laufe der Zeit wahrscheinlich ändern. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Dynamik entwickeln wird.

Europa als Bedrohung für die USA?

Bereits heute ist die EU der größte Binnenmarkt, mit einer größeren Bevölkerung als die USA. Die EU ist auch der größte Handelsblock, was ihr enormen wirtschaftlichen Einfluß verleiht, mit dem sie mit den USA auf der ganzen Welt konkurrieren kann.

Manche fragen sich, ob dieser Einfluß sogar größer ist als der der USA. Dazu schreibt der britische Analytiker Mark Leonard: „Um die EU-Zone herum liegt eine weitere Zone von 385 Millionen Menschen, die Land und Seegrenzen mit der EU teilen. Danach kommen noch einmal 900 Millionen Menschen in Ländern, die wie durch eine Nabelschnur mit der EU verbunden sind, denn diese ist deren größter Handelspartner, wichtigster Kreditgeber, Investor und Helfer.

Annähernd zwei Milliarden Menschen also, ein Drittel der Weltbevölkerung, leben in der ,Eurosphäre‘, in Europas Einflußzone, die Schritt für Schritt transformiert wird und europäische Standards und Verhaltensweisen übernimmt ... Die Stärke der EU ist breit und tief: Geraten Länder in ihre Einflußsphäre, verändern sie sich für immer ... Die von der EU angezogenen Staaten werden [mit Europa] gemeinsam ein neues europäisches Jahrhundert begründen“ (Die Welt, 11. April 2005).

Die Europäische Union geht getrennte Wege zu den USA beim Umgang mit Problemfeldern wie Nordkorea, China und dem Iran, genauso wie sie schon beim Umgang mit einem Großteil des Nahen Ostens andere Akzente setzte. Es wird immer deutlicher, daß die europäischen und amerikanischen Interessen zunehmend auseinanderklaffen.

Die EU versuchte auch im Vorfeld des Irak-Krieges die Muskeln politisch spielen zu lassen. Frankreich hatte deutlich gemacht, daß es nicht davor zurückscheuen würde, sein Vetorecht im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einzusetzen, um die USA zu blockieren. Mittlerweile hat sich der deutsche Bundeskanzler zweimal offen gegen die Nahost-Politik der USA ausgesprochen: im Vorfeld des Irak-Kriegs und jetzt wieder in bezug auf die jüngsten Drohungen des amerikanischen Präsidenten gegen den Iran.

„Der Bundeskanzler ist anti-amerikanisch in seiner Europapolitik, die er als Abgrenzung von den USA versteht“, meinte die Rheinische Post zur Haltung der deutschen Bundesregierung (4. Mai 2005). Eine derart offene Ablehnung hat es zuvor in der Nachkriegszeit nicht gegeben. In den kommenden Jahren kann man sich jedoch auf eine Fortsetzung gefaßt machen. „Es bleibt bei der neuen Rivalität dieser Blöcke [der USA und der EU]“, meint der Politologe Andrei S. Markovits, „wir müssen mit der Spannung leben.“

Die EU brauchte fast fünfzig Jahre, um ihren gegenwärtigen Status zu erreichen, eine Zeit, in der die USA die führende Macht der freien Welt war. Militärisch ausgelastet und von einer wachsenden nationalen Verschuldung geplagt – Amerika ist in einem geschichtlich nie gekanntem Ausmaß zum Schuldnerland geworden und leiht sich jeden Tag von ausländischen Geldgebern fast 2,5 Milliarden US-Dollar! – kann die Vormachtstellung der USA nicht länger für selbstverständlich angesehen werden. Genauso wie die britische Vorherrschaft zuvor ein Ende fand, ist die Zeit vielleicht nicht mehr weit entfernt, in der die US-amerikanische Vorherrschaft ebenfalls enden wird.

Die USA haben Großbritannien abgelöst. Wer wird die Weltbühne betreten und Amerika als die größte Supermacht der Welt ablösen – China oder Europa? Es mag Sie überraschen, daß wir für die Antwort auf diese Frage ein weiteres Buch heranziehen – die Bibel. Was sagt die Bibel über das Schicksal großer Nationen?

Wer bestimmt den Verlauf der Geschichte?

In der Bibel finden wir den Anspruch des Schöpfergottes, den Verlauf der Geschichte zu bestimmen. Dazu lesen wir beispielsweise Daniel 2, Vers 21: „Er [Gott] verändert das Bestehende und gibt allem seine Frist; er setzt Könige ab und setzt Könige ein“ (Gute Nachricht Bibel).

Gott offenbarte Daniel, daß in der Zukunft verschiedene Reiche den Globus dominieren würden und daß eine Macht nach der anderen zu einer Vormachtstellung aufsteigen würde. Daniel selbst erlebte den Fall Babylons mit, das durch das medo-persische Reich abgelöst wurde und dann eine kurze Zeit der Vorherrschaft erlebte. Die oben zitierten Worte Daniels galten dem babylonischen König Nebukadnezar.

Der König hatte einen Traum, der ihn beunruhigte. Er ließ „alle seine Gelehrten, Magier, Wahrsager und Sterndeuter [die gelehrtesten Männer Babylons] rufen, damit sie ihm seinen Traum erklären sollten“ (Daniel 2,2; Gute Nachricht Bibel). Aber sie waren nicht dazu in der Lage. Verärgert drohte der König damit, alle Weisen im Land umbringen zu lassen.

Dann hatte Daniel seinen Auftritt. Daniel „bat den König, ihm eine Frist zu geben, damit er die Deutung dem König sagen konnte“ (Vers 16). Das Resultat war ein erstaunlicher Überblick über die Weltgeschichte bis hin zum zweiten Kommen Jesu Christi und der Errichtung des Reiches Gottes. Vers 44 sagt deutlich: „Aber zur Zeit dieser Könige [die letzten Herrscher der letzten Supermacht der Erde] wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird.“

Nebukadnezars Traum handelte von einem großen Standbild, das vier Königreiche symbolisierte, wobei Babylon selbst das erste Reich war. „Nach dir [Nebukadnezar] wird ein anderes Königreich aufkommen, geringer als deines, danach das dritte Königreich, das aus Kupfer ist und über alle Länder herrschen wird. Und das vierte wird hart sein wie Eisen“ (Verse 39-40). Wie in Vers 44 angemerkt, wird dieses vierte Königreich zu der Zeit existieren, in der der Schöpfer in menschliche Angelegenheiten eingreift, um das Reich Gottes zu errichten.

Parallele Prophezeiungen liefern weitere Details

Kapitel 7 des Buches Daniel stellt eine parallele Prophezeiung über diese Reiche dar – wobei andere Symbole verwendet werden –, durch die die Zusammenhänge klarer werden. „Im ersten Regierungsjahr des babylonischen Königs Belsazar hatte Daniel in der Nacht im Traum eine Vision. Er schrieb auf, was er geschaut hatte“ (Vers 1; Gute Nachricht Bibel).

Daniel fährt dann fort, „vier große Tiere“ (Vers 3) zu beschreiben, heidnische Reiche bzw. große militärische Mächte, die einen dramatischen Effekt auf die Welt haben würden, die physischen Nachkommen Israels eingeschlossen.

Die Geschichte zeigt, daß die vier großen Mächte aus Daniels Vision das babylonische, das medo-persische, das griechische und das Römische Reich waren. Daniel hatte diese Vision „im ersten Jahr des Belsazars“, dem letzten König von Babylon (Daniel 5,30-31). Menschlich gesehen hätte Daniel zu dieser Zeit nicht wissen können, daß Babylon, die Supermacht seiner Zeit, an das medo-persische Reich fallen würde, oder daß Persien wiederum mehr als 200 Jahre später von Griechenland besiegt würde. Das Römische Reich selbst lag dabei noch um Jahrhunderte in der Zukunft. Gott hatte Daniel diese Geheimnisse offenbart (Daniel 2,28).

Der geschichtliche Überblick in Daniel 7, wie in Kapitel 2, reicht bis zum Kommen des Reiches Gottes (Daniel 7,14). Da dieses Reich noch nicht errichtet worden ist, bedeutet das, daß sich die Welt immer noch irgendwo auf der hier dargestellten Zeitlinie befindet. Die USA, die dominierende Macht von heute, und das britische Reich, die globale Supermacht vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, werden in Daniels prophetischer Zeitlinie jedoch nicht erwähnt. Die erwähnten Reiche sind heidnische (nichtisraelitische) Reiche mit Charakteristiken, die sich deutlich von denen der beiden angelsächsischen Mächte unterscheiden.

Die Offenbarung beschreibt das letzte irdische Reich

Die Offenbarung, das letzte Buch der Bibel, trägt weiter zu unserem Verständnis vergangener, gegenwärtiger und zukünftiger Ereignisse bei. In Kapitel 17 sehen wir erneut, daß die Prophezeiungen mit dem Kommen des Reiches Gottes ihren Höhepunkt finden. In den Versen 12-14 lesen wir: „Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, das sind zehn Könige, die ihr Reich noch nicht empfangen haben; aber wie Könige werden sie für eine Stunde Macht empfangen zusammen mit dem Tier ... Die werden gegen das Lamm [Jesus Christus] kämpfen, und das Lamm wird sie überwinden.“ Bei dieser Beschreibung handelt es sich eindeutig um zukünftige Ereignisse.

In Offenbarung 13 finden wir die Beschreibung einer Kombination der vier Tiere (Reiche) aus dem Buch Daniel, gefolgt von diesen prophetischen Worten: „Einer der Köpfe des Tieres sah aus, als hätte er eine tödliche Wunde erhalten; aber die Wunde wurde geheilt. Die ganze Erde lief dem Tier staunend nach“ (Vers 3; Gute Nachricht Bibel).

Später lesen wir, daß dieses „Tier“ sich mit einem falschen religiösen System und einer populären und mächtigen religiösen Figur verbünden wird, die einen großen Einfluß auf die Massen und ihre Führer ausüben wird (Verse 11-18; Offenbarung 17). All diese Passagen helfen uns zu verstehen, daß die Welt noch eine weitere Wiederbelebung dieses politisch-religiösen Systems erleben wird – der Versuch, noch einmal das letzte in Daniel vorhergesagte Reich wiederzuerrichten, das Römische Reich.

Das mag weit hergeholt erscheinen, wenn man bedenkt, daß das Römische Reich offiziell im Jahre 476 n. Chr. zu Fall kam, vor mehr als 15 Jahrhunderten. Aber es gab wiederholt Versuche, das Römische Reich im Lauf der Geschichte wieder aufleben zu lassen, angefangen mit Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert n. Chr., dann mehr als zweihundert Jahre später durch Karl den Großen, danach das Heilige Römische Reich, das eintausend Jahre lang andauerte, dann Napoleon. Der Versuch, das Römische Reich wiederherzustellen, war ein beständiges Thema seit der Zeit, als das Reich im Westen im 5. Jahrhundert n. Chr. fiel.

Wußten Sie, daß sogar die Achsenmächte Europas mit dem Heiligen Römischen Reich verknüpft waren? Der italienische Diktator Benito Mussolini, mit dem sich Adolf Hitler verbündete, verkündete 1922 die Wiedererrichtung des Römischen Reiches.

Heute sehen wir einen erneuten Versuch, Europa zu vereinen, diesmal friedlich statt durch Waffengewalt. Aus den sechs Nationen, die 1957 mit dem Vertrag von Rom die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gegründet haben, sind die 25 Mitgliedsländer der Europäischen Union geworden. Der Prozeß der politischen Vereinigung wird sich fortsetzen!

Beobachten Sie diese Trends!

Könnte daraus die prophezeite Erneuerung des Römischen Reiches entstehen, die zur Wiederkehr Jesu Christi und der Errichtung des Reiches Gottes führen wird? Die gegenwärtige aus 25 Nationen bestehende EU stellt offensichtlich nicht die prophezeite Supermacht mit ihren zehn Herrschern dar, die „ihre Kraft und Macht dem Tier“ geben werden. Wir schließen dennoch nicht aus, daß der moderne Nachfolger des alten Römischen Reiches aus diesem System – oder einer Abänderung desselben – erwachsen wird.

Seit Jahren empfehlen wir unseren Lesern, die Entwicklungen in Europa zu verfolgen. Wir erleben eine beispiellose Feindseligkeit der Europäer den USA gegenüber. Wir erleben auch, wie Amerika mit zunehmenden ökonomischen Herausforderungen zu kämpfen hat. Letztendlich bestimmt die ökonomische Kraft langfristig die politische und militärische Macht.

Achten Sie auf die wachsende Kluft zwischen Europa und den USA. Sie gestaltet die Welt von morgen vor unseren Augen.

– Gute Nachrichten September-Oktober 2005 PDF-Datei dieser Ausgabe

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