Das Buch Richter beschreibt ein Zeitalter von mehr als 300 Jahren, als es den Israeliten in ihrem neuen Land teils schlecht, teils gut ging. Was erfahren wir über diese Zeit durch die biblische Archäologie?

Von Mario Seiglie

In dieser Ausgabe richten wir unseren Blick auf eine turbulente Ära in der Geschichte Israels, nämlich die Epoche, die im Buch Richter beschrieben wird. Das Buch beginnt mit einer Beschreibung der Besiedlung Kanaans durch die Israeliten. Der hochbetagte Josua verteilt das Gebiet unter die Stämme und stirbt bald darauf im Alter von 110 Jahren (Richter 2,8). Es folgt eine Periode, in der treue Volksälteste, die bereits unter Josua gedient haben, die Geschicke der Israeliten lenken. Als sie aussterben, entsteht zunächst ein gefährliches Machtvakuum.

Unter der jungen, erst nach dem Einzug nach Kanaan geborenen Generation waren die Wunder, die das Volk zu den Lebzeiten Moses und Josuas erlebt hatte, zum größten Teil unbekannt: „Als auch alle, die zu der Zeit gelebt hatten, zu ihren Vätern versammelt waren, kam nach ihnen ein anderes Geschlecht auf, das den HERRN nicht kannte noch die Werke, die er an Israel getan hatte“ (Richter 2,10).

Diese neue Generation sah sich von Kanaanitern umgeben, die einer eigenen Volksreligion anhingen. Anstatt diesen fremdländischen Einfluss mit Stumpf und Stiel auszurotten, wie es Gott geboten hatte, pflegten die Israeliten mit den Falschgläubigen eine friedliche Koexistenz. Dabei hatte sie Gott vor einer Fortsetzung dieses Zustandes gewarnt: „Ihr aber solltet keinen Bund schließen mit den Bewohnern dieses Landes und ihre Altäre zerbrechen. Aber ihr habt meiner Stimme nicht gehorcht. Warum habt ihr das getan? Da sprach ich: Ich will sie nicht vor euch vertreiben, damit sie euch zum Fangstrick werden und ihre Götter zur Falle“ (Richter 2,2-3).

Während dieses Zeitalters, das über 300 Jahre dauerte, setzte Gott Richter ein – es werden mindestens zwölf davon in der Bibel erwähnt –, die Israel im Kampf mit den einheimischen Völkern um den Besitz des Landes anführten. Manche dieser Richter haben gleichzeitig, aber in verschiedenen Landesteilen geherrscht. Häufig kam es vor, dass die überlebenden Kanaaniter Landstriche, die sie an die Israeliten verloren hatten, wieder an sich brachten.

Welche Informationen liefert uns nun die Archäologie zu diesem Zeitalter?

Kulturwechsel

Die umfangreichen wissenschaftlichen Funde lassen auf die allmähliche Verdrängung einer durch Baukunst und Töpferei gekennzeichneten kanaanitischen Hochkultur durch eine israelitische Kultur auf niedrigerem Niveau schließen.

Charles Fensham, Professor für semitische Sprachen an der Universität Stellenbosch in Südafrika, schreibt: „Die Archäologie zeigt uns, dass einzelne palästinische Städte um 1200 vor Christus vernichtet wurden. Eine blühende Hochkultur [= die kanaanitische] der späten Bronzezeit wurde ausgelöscht. Die darauffolgenden Entwicklungen fanden auf einem niedrigeren Niveau statt. Der Bruch ist offensichtlich und weist auf das Sesshaftwerden halbnomadischer Gruppen hin. Ein Zusammenhang mit den einfallenden israelitischen Stämmen steht wohl außer Frage“ (The International Standard Bible Encyclopedia, Eerdmans, Grand Rapids, 1982, Band II, Seite 1158).

Diese Auslegung passt auch zum biblischen Bericht, dass die einst in Ägypten versklavten und nun kulturell verarmten Israeliten die Städte der Kanaaniter einfach übernahmen, wenn es ihnen gelang, sie zu bezwingen: „Wenn dich nun der HERR, dein Gott, in das Land bringen wird, von dem er [deinen Vätern] geschworen hat, es dir zu geben – große und schöne Städte, die du nicht gebaut hast, und Häuser voller Güter, die du nicht gefüllt hast, und ausgehauene Brunnen, die du nicht ausgehauen hast, und Weinberge und Ölbäume, die du nicht gepflanzt hast . . .“ (5. Mose 6,10-11).

Allmähliche Verdrängung

Das Buch Richter lässt darauf schließen, dass sich der Kulturwechsel nur allmählich vollzog: „Als aber Israel mächtig wurde, machte es die Kanaaniter fronpflichtig, vertrieb sie jedoch nicht“ (Richter 1,28). Die Verdrängung der kanaanitischen Kultur durch die Israeliten nahm viele Jahre in Anspruch:

„Die Israeliten waren Sklaven in Ägypten gewesen. Dann wanderten sie vierzig Jahre lang als Halbnomaden durch die Wüste, ehe sie in Kanaan einzogen. Es ist deswegen höchst unwahrscheinlich, dass sie dem Land Kanaan eine eigenständige materielle Kultur schenken konnten . . . Beim Übergang von der Bronzezeit zur Eisenzeit, das heißt um 1200 vor Christus, beobachten wir einen Umbruch in der Siedlungsstruktur Kanaans . . . Wenn wir auch diesen Umbruch nicht auf die Ankunft der Israeliten zurückführen, so nennen wir die neuen Siedlungen dennoch ‚israelitisch‘, da die Israeliten bereits seit zwei Jahrhunderten im Land lebten und daher an den Veränderungen Anteil gehabt haben müssen“ (John Bimson und David Livingston, „Redating the Exodus,“ Biblical Archaeological Review, September-Oktober 1987, Seite 52-53).

Wir haben es also hier mit weiteren Beweisen aus der Archäologie zu tun, die allem Anschein nach den Bericht der Bibel bestätigen. Die Funde zeigen eine allmähliche Verdrängung der kanaanitischen Kultur durch israelitische Siedler.

Verehrung Baals und Ascherahs

Nachdem die Generation Josuas ausgestorben war, „taten die Israeliten, was dem HERRN missfiel, und dienten den Baalen und verließen den HERRN, den Gott ihrer Väter, der sie aus Ägyptenland geführt hatte, und folgten andern Göttern nach von den Göttern der Völker, die um sie her wohnten, und beteten sie an und erzürnten den HERRN“ (Richter 2,11-12).

Wie erklärt sich der unentwegte Hang der Israeliten, lieber den Baal als Jahwe anzubeten? Hier kommt uns wieder die Archäologie zu Hilfe, denn sie hat Kenntnisse über die kanaanitische Religion gewonnen, die uns die für die Israeliten tödlichen Verlockungen verständlich machen.

1929 begannen die ersten Ausgrabungen in Ras Schamra, der alten Hafenstadt Ugarit, im Nordlibanon (und diese dauern bis heute noch an). Gleich im ersten Jahr wurde zwischen den Ruinen eines Palastes eine Bibliothek mit Hunderten von alten Tontafeln gefunden, in die eine Fülle von Informationen über die Religion der Kanaaniter eingeritzt sind. Und was offenbaren uns diese Tafeln? „Die Texte zeigen uns die erniedrigenden Folgen der Verehrung dieser Gottheiten, in der Krieg, heilige Prostitution und sinnliche Liebe im Mittelpunkt standen“ (The New Bible Dictionary, Tyndale House Publishers, 1982, Seite 1230).

Verbotene Religion

Die heidnische Religion zog die Israeliten hauptsächlich aus zwei Gründen in ihren Bann. Sie war erstens nicht so kompromisslos wie die Religion der Bibel. Zweitens erlagen die Israeliten einer abergläubischen Achtung vor den Göttern, die angeblich über das Land der Kanaaniter herrschten. „Die Religion der Kanaaniter war ganz anders als die der Israeliten. So wurden bisher keine Beweise in der kanaanitischen Kultur für einen Verhaltenskodex nach Art der Zehn Gebote gefunden . . .

Für die einfallenden Israeliten war es eine starke Versuchung, die Götter des Landes zu respektieren, denn sie galten als verantwortlich für seine Fruchtbarkeit. Außerdem war die Verehrung dieser Götter mit weitaus weniger Mühen verbunden als die strengen Gesetze und Riten des eigenen Kults. Viele Angehörige des Gottesvolkes gaben der Versuchung einfach nach. Das Ergebnis war ein allmählicher sittlicher Verfall des Volkes“ (The Lion Encyclopedia of the Bible, Lion Publishers, 1983, Seite 153).

Der Gefahren der einheimischen Religion für das werdende Israel bewusst, bestand Gott darauf, dass sein Volk jede Spur davon vernichtete: „Ihr sollt nicht tun nach der Weise des Landes Ägypten, darin ihr gewohnt habt, auch nicht nach der Weise des Landes Kanaan, wohin ich euch führen will . . . Du sollst auch nicht eins deiner Kinder geben, dass es dem Moloch geweiht werde“ (3. Mose 18,3. 21).

Perverser Sex als Religion

Die Verdorbenheit der kanaanitischen Religion kam in grotesken sexuellen Praktiken zum Ausdruck: „Die heidnische Welt des alten Vorderen Orients verehrte und vergötterte die Sexualität.“ Sexualität und Religion waren derart miteinander verbunden, dass „die Kultdirnen ‚Heilige‘ genannt wurden“ (Interpreter’s One-Volume Commentary on the Bible, Abingdon Press, 1971, Seite 79).

Die Derbheit des kanaanitischen Kultes macht verständlich, warum die Bibel so dagegen ist. „Ein Ritus war eine Dramatisierung des Mythos . . . Im Mittelpunkt stand der Geschlechtsakt, denn nach Meinung der Kanaaniter machte der von Baal kommende Regen die Erde fruchtbar und schwanger, genauso wie nach dem Mythos der Baal die Fruchtbarkeitsgöttin Ascherah geschwängert hatte. Die kanaanitische Religion war dementsprechend grob sinnlich und pervers, denn sie verlangte für die Hauptrollen im Drama die Dienste männlicher und weiblicher Prostituierter.

Im Gegensatz zu den Anforderungen der israelitischen Religion gab es kein zentrales Heiligtum für Baal. Baal durfte an jedem Ort angebetet werden, an dem es eine Stätte gab, wo die Götter einkehren konnten. Solche Stätten waren in der Frühzeit auf Hügeln zu finden [daher ,Opferhöhen‘]. Später gab es sie aber auch in Tälern und sogar in den Städten und Dörfern“ (Eugene Merrill, Kingdom of Priests, Baker Book House, 1987, Seite 160-161).

Moloch und Kinderopfer

Zu den Bräuchen des kanaanitischen Kultes gehörten auch Kinderopfer. In der Sprache der Bibel haben die Israeliten, die diesen Brauch übernahmen, „ihre Söhne und Töchter für den Moloch durchs Feuer gehen . . . lassen“ (Jeremia 32,35). Der Gott Moloch wird auch auf den Tontafeln aus Ras Schamra erwähnt.

Einige frevelhafte Könige Israels haben die Praxis der Moloch-Kinderopfer eingeführt. Durch den Mund des Propheten Jeremia verurteilt Gott diese schaurige Sitte: „[Die] Leute von Juda tun, was mir missfällt . . . Sie . . . haben die Höhen des Tofet [eine Kultstätte für den Moloch] . . . gebaut, um ihre Söhne und Töchter zu verbrennen, was ich nie geboten habe und mir nie in den Sinn gekommen ist“ (Jeremia 7,30-31).

In der ehemaligen phönizischen Stadt Karthago – eine kanaanitische Kolonie – wurden 20 000 Urnen mit der Asche geopferter Kinder entdeckt. Die Archäologen, die Karthago ausgruben, teilen uns mit, dass „das Tofet Karthagos die größte solcher phönizischen Opferstätten war. Nirgendwo anders wurden die Überreste so vieler geopferter Menschen gefunden. Kinderopfer darzubringen war ein fester Brauch über einen Zeitraum von 600 Jahren“ (Lawrence Stager und Samuel Wolff, Biblical Archaeological Review, Januar-Februar 1984, Seite 32).

Der griechische Schriftsteller Kleitarchos, der im 3. Jahrhundert v. Chr. lebte, überliefert uns die Information, dass man bei diesem Ritus eine Bronzestatue mit ausgestreckten Armen erhitzte. Die in ihre Arme gelegten Kleinkinder kamen schnell ums Leben.

Kampf um die Seele eines Volkes

Selbstverständlich wollte Gott nicht, dass die Israeliten ihre eigenen Kinder umbrachten. Wenn ein gerechter König wie Josia den Thron bestieg, gehorchte er Gott und schaffte diese Bräuche ab: „Er machte auch unrein das Tofet im Tal Ben-Hinnom [in Jerusalem], damit niemand seinen Sohn oder seine Tochter dem Moloch durchs Feuer gehen ließe“ (2. Könige 23,10).

Manchem mag die Verurteilung der kanaanitischen Religion durch die Propheten übermäßig streng vorkommen. Wenn wir jedoch bedenken, was die Archäologen alles in diesem Jahrhundert an Erkenntnissen über diese Religion zutage gefördert haben, erscheint solche Kompromisslosigkeit der Propheten in einem anderen Licht.

„Die Propheten und die Chronisten mussten als Männer erscheinen, die in ihrem Eifer für Jahwe, in ihrem Zorn gegen fremde Kulte wohl etwas zu weit gegangen waren“, schreibt ein Autor. „Dieser Vorwurf blieb damit auch an der Bibel hängen bis in unsere Tage . . . Uns ist es eine Selbstverständlichkeit, dass jeder halbwegs zivilisierte Staat über die Sittlichkeit seiner Bürger wacht.

Aber in Kanaan war zu jener Zeit der Sinnenkult Dienst an den Göttern, vertraten Tempel die Stelle der Bordelle, gehörten weibliche und männliche Buhlen als ,Geweihte‘ zum Kultpersonal, kamen die Spenden für ihre ,Dienste‘ den Tempelkassen als ,Opfer für die Gottheit‘ zugute. Die Propheten und Chronisten haben keinesfalls übertrieben. Wie sehr ihre harten Worte – die ,anstößigen Stellen‘ – begründet waren, wurde erst seit den großen Funden in Ras Schamra völlig klar . . . Wie groß war doch für ein einfaches Hirtenvolk die Versuchung, wie gefährlich waren die Verlockungen! . . . Ohne sein strenges Sittengesetz, ohne den Glauben an den einen Gott, ohne die überragenden Gestalten seiner Propheten hätte Israel diese Auseinandersetzung mit den Baalen, mit den Dirnenkulten der Fruchtbarkeitsgöttinnen, mit den Ascheren und Höhen nie bestehen können!“ (Werner Keller, Und die Bibel hat doch recht, Econ-Verlag, Düsseldorf, Seite 262-263, 266).

Der wiederholte Rückfall der Israeliten in den Baalsdienst, wie er im Buch Richter beschrieben wird, ist somit realistisch dargestellt. Die Richtererzählung findet Unterstützung bei den archäologischen Funden, die Licht auf den Kampf um die Seele Israels werfen. Gott ließ nicht nach, Boten auszusenden, um sein Volk vor den Gefahren der Baalverehrung zu warnen, wie uns Nehemia treffend berichtet:

„Und sie eroberten feste Städte und ein fettes Land . . . Aber sie wurden ungehorsam und widerstrebten dir und warfen dein Gesetz hinter sich und töteten deine Propheten, die sie vermahnten, dass sie sich zu dir bekehren sollten, und redeten große Lästerungen. Darum gabst du sie in die Hand ihrer Feinde, die sie ängsteten“ (Nehemia 9,25-27).

Die Kindheit des Volkes

Das Richterbuch ist mehr als eine Erzählung von Siegen und Heldentaten aus grauer Vorzeit. Vielmehr bietet es eine realistische Beschreibung eines werdenden Volkes, das die perverse Kultur seiner geschlagenen Feinde in sich aufnahm. Das Buch nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Darstellung des – oft erfolglosen – Kampfes Israels gegen die barbarische Religion Kanaans geht. Es schildert Israels häufige Rückfälle und die dadurch bedingten Demütigungen in Zusammenstößen mit seinen Feinden. In dem ganzen Wirrwarr zieht sich eines wie ein roter Faden durch das Buch: die Sorge Gottes um den moralischen Zustand seines Volkes, mit dem er den Alten Bund geschlossen hatte.

In der nächsten Ausgabe befassen wir uns mit archäologischen Funden, die zur Bestätigung und Erhellung der Zeit des Königs Davids dienen.

Die erste Erwähnung Israels

Im 19. Jahrhundert herrschte unter Bibelkritikern die Meinung vor, die Geschichte Israels, wie sie in der Bibel dargestellt wird, sei kaum mehr als eine Erfindung von Juden, die im 6. Jahrhundert v. Chr. lebten. Unter anderem sahen diese Kritiker keine Beweise dafür, dass zur Zeit der im Buch Richter beschriebenen Ereignisse Israel bereits eine Nation war.

Im Jahre 1896 aber fand der britische Archäologe Flinders Petrie einen Hinweis auf das Volk Israel, der in der Zeit der Richter entstanden ist. In den Ruinen eines ägyptischen Tempels entdeckte Petrie ein Denkmal, auf dem die Siege des Pharaos Merneptah gefeiert werden. In der kunstvollen Schrift, mit der dieses auf 1207 v. Chr. datierte Denkmal geschmückt ist, erwähnt der König das Volk Israel.

Aus diesem Grund wird diese Stele, wie solche Denkmäler in der Fachsprache heißen, die „Israelstele“ genannt. Heute steht sie im Kairoer Museum. Auf ihr verzeichnet Merneptah seine Siege in Kanaan und nennt Israel als eines der besiegten Völker. Die fragliche Schlacht passt sehr gut zur Erzählung des biblischen Buches Richter, denn ihm zufolge wurde Israel von den Nachbarvölkern häufig überfallen.

In den letzten beiden Zeilen des Denkmaltextes werden vier kanaanitische Feinde Merneptahs genannt, die ihm im Kampf unterlagen: „Askalon wurde überwunden, Geser gefangen genommen. Janoam wurde vom Erdboden getilgt, Israel verwüstet. Ihm bleibt keine Nachkommenschaft mehr.“

Merneptah herrschte von 1212 bis 1202 v. Chr. Der Bericht von seinem Sieg über Israel zeigt, dass die Israeliten bereits zu dieser Zeit den mittleren Teil Kanaans in ihrem Besitz hatten. Was die anderen Opfer der Kriegstaten Merneptahs betrifft: Askalon war eine Küstenstadt, die erst seit kurzer Zeit von den Philistern bewohnt wurde. Geser und Janoam waren Siedlungen in der Ebene und noch unter kanaanitischer Gewalt. Zu Geser haben wir die Mitteilung der Bibel, dass die Israeliten es unter Josua nicht einnahmen: „Auch Ephraim vertrieb die Kanaaniter nicht, die in Geser wohnten, sondern die Kanaaniter wohnten mitten unter ihnen in Geser“ (Josua 1,29). Dass Geser nicht zum Territorium Israels gehörte, wird von der Stele Merneptahs bestätigt.

Ein bekanntes Bibellexikon fasst das Ergebnis zusammen: „Zu den besiegten Feinden Merneptahs in Syrien-Palästina gehört Jsr‘r [ägyptisch für J‘sr‘l], womit offensichtlich Israel gemeint ist . . . Die Israelstele liefert also einen weiteren wissenschaftlichen Beweis für die frühe Anwesenheit der Israeliten in Palästina [das heißt, die Israeliten müssen um diese Zeit bereits in Palästina gewesen sein]“ (The International Standard Bible Encyclopedia, Eerdmans, Grand Rapids, 1986, Band 3, Seite 324).