Im Garten Gethsemane wusste Jesus, was ihm bevorstand, und er bat Gott, ihn davor zu bewahren. Doch er fügte sich dem Willen seines himmlischen Vaters – so wie wir alle es tun müssen, wenn wir ihm nachfolgen wollen.

Von Robin Webber

Es war die heilige Zeit in Jerusalem, als unzählige Pilger aus der jüdischen Diaspora in die Stadt strömten, um das Passahfest und das Fest der Ungesäuerten Brote zu feiern. Eine kleine Gruppe von Männern machte sich am späten Abend auf den Weg in die Stille und Einsamkeit eines nahegelegenen Gartens im Tal. Hier, im stillen Schutz der Olivenhaine des Gartens Gethsemane am Fuße des Ölbergs, sollte die große Entscheidung fallen.

Elf Männer folgten ihrem geliebten Rabbi. Sie glaubten, dass er der prophezeite Messias ist, der gekommen war, um das Königreich Israels vollständig wiederherzustellen. Vorher hatten sie in dieser Nacht ein Passah erlebt, wie sie es noch nie erlebt hatten. Jesus hatte ihnen die Füße gewaschen und ihnen eine neue Symbolik für Brot und Wein gezeigt (Johannes 13,1-17; Matthäus 26,26-28).

Sie dachten noch über seine Worte nach, als wäre es seine letzte Begegnung mit ihnen gewesen. Doch der Meister wollte in diesem Augenblick mehr Zeit allein mit Gott verbringen. Er wollte darüber nachdenken, was ihm als Nächstes abverlangt werden würde. In dieser Umgebung würde Jesus seinen Jüngern für alle Zeiten die ultimative Lektion erteilen, wie sie seiner Aufforderung „Folgt mir nach!“ (Matthäus 4,19; Johannes 21,22) wirklich nachkommen konnten.

Eine andere Möglichkeit?

Jesus suchte diesen stillen Ort auf, um alleine beten zu können. Er bat nur Jakobus, Johannes und Petrus mit ihm zu kommen, die anderen Jünger sollten auf ihn warten. „Angst und tiefe Traurigkeit“ überfielen ihn (Matthäus 26,37; Gute Nachricht Bibel). Und er sagte zu ihnen: „Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir!“ (Vers 38; Einheitsübersetzung).

Sie waren Zeuge geworden, wie ihr Meister in Zeiten der Anfechtung viele Gefühle zeigte, und er war immer in der Lage gewesen, sich jeder Situation zu stellen, mit der er konfrontiert wurde. Aber diesmal war es anders! Was war geschehen?

Jesus ging allein ein Stück weiter, warf sich zu Boden und betete zu Gott, „dass er ihm, wenn es möglich wäre, diese schwere Stunde erspare“ (Markus 14,35; Gute Nachricht Bibel). Er betete: „Abba, Vater, alles ist dir möglich! Erspare es mir, diesen Kelch trinken zu müssen! Aber es soll geschehen, was du willst, nicht was ich will“ (Vers 36, ebenda; alle Hervorhebungen durch uns).

Noch einmal: Was ist in diesem Menschensohn, in diesem Menschenleben aus Fleisch und Blut vorgegangen? Er wusste, was ihm bevorsteht! Wie die anderen Juden seiner Zeit kannte er den Schrecken der Kreuzigung. Diese Form der Hinrichtung sollte alle, die sich Rom widersetzten, zutiefst demütigen. An den Gekreuzigten sollte ein Exempel statuiert werden.

Zum anderen: Was ging in den Gedanken des Gottessohnes vor sich? Er ist der Einzige, der sich nahtlos in das „Haus seines Vaters“ eingefügt hat (vgl. Lukas 2,49; ebenda). Und nun dachte er darüber nach, dass der göttliche Herrscher ihn ausliefert, damit die Geschöpfe ihren Schöpfer quälen und töten können (vgl. Johannes 1,1-3; Kolosser 1,15-17).

Könnte es einen anderen Weg geben, das Erlösungsopfer für eine verirrte Schöpfung darzubringen? Schließlich wurde Abraham im letzten Augenblick davon abgehalten, Isaak zu opfern. Und Jesus hatte zuvor zum Vater gebetet: „Vater, ich danke dir, dass du mein Gebet erhört hast! Ich weiß, dass du mich immer erhörst“ (Johannes 11,41-42; „Hoffnung für alle“-Bibel). So offenbarte er in diesem Augenblick seine Wirklichkeit als Gottes Sohn.

Das Maß des Augenblicks messen

Der Verfasser des Lukasevangeliums berichtet, dass Jesus nicht nur sein inständiges Flehen zu Gott in den Himmel schickt, sondern auch seinen Schweiß, vermischt mit seinem Blut hier auf der Erde vergießt (Lukas 22,44). Dies beschreibt eine seltene, aber sehr reale Krankheit namens Hämatidrose, die durch extremen Stress ausgelöst wird und bei der kleine Blutgefäße unter der Haut platzen und Blut durch die Schweißdrüsen austritt.

Gott, der Vater, sah die Not und sandte einen Engel, um ihn zu trösten (Vers 43). Ja, sein Vater, unser himmlischer Vater, empfand wegen der Qualen seines Sohnes großes Mitleid.

Jesus nahm sich die Zeit, nach seinen Jüngern zu sehen, und fand sie schlafend. Er ermahnte sie: „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ (Matthäus 26,41; Einheitsübersetzung). Oh, wie sehr war sich der Menschensohn dessen in diesem Augenblick bewusst!

Der Zimmermann befolgte die Regel seines Handwerks, zweimal (oder öfter) zu messen, bevor er einmal zuschnitt (vgl. Matthäus 26,42. 44). Er tat dies in der Gegenwart und unter der Führung seines Vaters im Himmel. Die große Entscheidung des Glaubens, der Selbstverleugnung und des Engagements, die sich hier vollzog, war ganz anders als die Entscheidung des „ersten Adam“ (vgl. 1. Korinther 15,45-47), die er zu einer anderen Zeit in einem anderen Garten traf.

Jesus lebte vor, was er predigte, als er seine Jünger zu beten lehrte: „Vater unser, der Du bist im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“ (Matthäus 6,9-10). Mit zitternden Knien, aber festem Herzen entschied er sich, den endgültigen Willen Gottes anzunehmen, und machte sich die Wirklichkeit zu eigen, die später im Hebräerbrief beschrieben wird: „Denn es war angemessen, dass Gott, für den und durch den das All ist und der viele Söhne zur Herrlichkeit führen wollte, den Urheber ihres Heils durch Leiden vollendete“ (Hebräer 2,10; Einheitsübersetzung).

Plötzlich wurde die Stille des Gartens durch das Geräusch einer sich nähernden Gruppe entschlossener Männer unterbrochen. Die Zeit war gekommen. Gott hatte geantwortet. Und das Herz Jesu war ruhig geworden. Er erhob sich von den Knien und ging im Rhythmus des 23. Psalms der Zukunft entgegen: „Und muss ich auch durchs finstere Tal – ich fürchte kein Unheil! Du, Herr, bist ja bei mir“ (Vers 4; Gute Nachricht Bibel).

Was können wir – die Lebenden – von einem Mann lernen, der gestorben ist, um uns das Leben zu ermöglichen? Es ist bemerkenswert, dass er seine Jünger mehr als einmal tadelte, weil sie nicht einmal eine Stunde wach bleiben konnten. Als sie beim Schlafen ertappt wurden, wussten sie nicht, was sie ihm sagen sollten. Sie konnten keine Antwort geben.

Er ermahnte sie, wach zu bleiben (Matthäus 26,38; Lukas 14,34). Jesus wusste, dass in dieser Nacht nicht nur seine große persönliche Entscheidung anstand, sondern auch, dass solch ein Moment für sie alle noch kommen würde – und ebenso werden auch wir diesen Moment der Entscheidung erleben.

Wie werden wir reagieren?

Vielleicht werden wir nie ein Kreuz nach Golgatha tragen. Gott sei Dank, und das sage ich ganz aufrichtig, denn das unbefleckte Lamm Gottes (1. Petrus 1,19) ist uns vorausgegangen und hat getan, was wir niemals tun könnten. Aber was ist mit den täglichen Herausforderungen, die uns den Weg des geringsten Widerstandes gehen lassen und nicht die „enge Pforte“ und den „schmalen Weg“, der zum Leben führt und den nur wenige finden?

In Matthäus 7, Verse 13-14 sagt Jesus Folgendes dazu: „Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind’s, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind’s, die ihn finden!“ Betrachten wir nun vier Schritte, einen nach dem anderen, um zu sehen, wie wir den Ruf Jesu „Folgt mir nach!“ beherzigen können.

1. Suche nach Ruhe und Abgeschiedenheit. Nehmen wir uns Zeit für uns selbst, abseits vom Lärm des Lebens und der Menschenmassen. Schließlich fordert uns die Heilige Schrift auf: „Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!“ (Psalm 46,10; Lutherbibel 2017). Sie und ich wissen, dass dies das Schwerste sein kann, was wir Menschen tun können, wenn wir vor Herausforderungen stehen. Aber es ist der Anfang, um die große Entscheidung treffen zu können. Tun wir es!

2. Geistlich wachsam bleiben. Christus zu kennen und ihm nahe zu sein, ist kein Ersatz dafür, ihm ähnlich zu werden. Denken wir an seine Gefährten, die nur einen Steinwurf von ihm entfernt waren – und doch? Jesus hatte ihnen gesagt, sie sollten beten, wach und aufmerksam bleiben. Wie steht es mit uns? Vielleicht kann diese Kolumne ein Alarmsignal für uns alle sein, wie Epheser, Kapitel 5, Vers 14: „Erwache aus deinem Schlaf! Erhebe dich von den Toten! Und Christus wird dein Licht sein“ („Hoffnung für alle“-Bibel).

3. Stets nach oben blicken. Als Jesus am Boden kniete, blickte sein verzweifeltes Herz nach oben. Den Blick nach oben und nicht nach unten zu richten, ist ein großer Schritt, um auf dem Weg zum Reich Gottes voranzukommen. Wie der Psalmist schreibt: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat“ (Psalm 121,1-2). Wo die Augen unseres Herzens hinschauen, dort werden wir die Herausforderungen des Lebens meistern und die großen Entscheidungen treffen.

4. Entscheiden wir uns zu folgen. Denken wir daran: Unseren Charakter entdecken wir nicht in der Prüfung – wir nehmen ihn mit in den Kampf! Wenn die großen Herausforderungen kommen – und sie werden kommen –, dann treffen wir auf den Moment zwischen Reiz und Reaktion, in dem wir damit umgehen müssen. In diesem Moment treffen wir eine Entscheidung, für die wir die Verantwortung tragen, denn wir stehen wieder vor der großen Wahl. Folgen wir dem Beispiel Christi und antworten wir: „Nicht was ich will, sondern was du willst!“