Für manche ist eine Familie einfach irgendeine Gruppe von Menschen, die einen gemeinschaftlichen Haushalt führt, unabhängig von Blutsverwandtschaft oder sexueller Orientierung. Diese Vorstellung widerspricht jedoch dem traditionellen Verständnis über die Familie. Was würden wir verlieren, wenn sich diese moderne Sichtweise allgemein durchsetzen würde?

Von David Treybig

Ihnen dürfte bekannt sein, dass Familien heute alle möglichen Formen, Größen und Strukturen haben können. Weil die Scheidung so allgemein verbreitet ist, ist es nicht mehr länger ungewöhnlich, wenn Kinder in einem Haushalt ohne ihre biologischen Eltern und mit Geschwistern aufwachsen, die ihre Halbbrüder oder Halbschwestern sind, oder mit Teenagern und anderen Kindern, mit denen sie überhaupt keine biologische Verbindung haben.

Ebenso ist es nicht mehr ungewöhnlich, wenn Menschen mehrere Ehepartner im Laufe ihres Lebens haben. Für manche ist das lediglich das Resultat unseres aufgeklärten Strebens nach Glück. Andere rechtfertigen diese zwanglose Einstellung gegenüber der Scheidung, indem sie sagen: „Es ist besser für die Kinder, uns glücklich als immer nur streitend zu sehen. Die Kinder sind stark und belastbar. Sie werden über die Scheidung hinwegkommen und am Ende eine neue Familie haben.“ Aber selten wird ihnen der volle Preis einer Scheidung bewusst.

Sie gehen zu oft davon aus, dass Familien lediglich vorübergehende Beziehungen darstellen, die nur andauern, bis das Glücksgefühl endet oder sich etwas Besseres ergibt. Das stellt natürlich eine gewaltige Veränderung gegenüber früheren Generationen dar. Damals galten Familien in der Regel als lebenslang fest verbunden und beständig.

Es herrschte die allgemeine Überzeugung, dass auch wenn neue Erfindungen zweifellos aufkommen, die unser Leben verändern, wir uns auf stabile Familienverhältnisse verlassen konnten. Man hielt zueinander – in guten und schlechten Zeiten. Aber nun droht die „Wegwerf-Familienbeziehung“ – eine, die nur solange anhält, wie jeder in der Beziehung glücklich ist – die frühere Sicht zu verdrängen.

Menschlich gesehen mag eine Änderung der Definition der Familie als eine logische Entscheidung erscheinen, die den Realitäten unserer modernen Welt entspricht. Aber diese Sichtweise ignoriert die Lehren desjenigen, der die Familie geschaffen hat. Gott selbst ist der Urheber der Familie. Seine Absicht war, dass die Familie eine dauerhafte, lebenslange Quelle von Glück und Rückhalt für verheiratete Erwachsene und ihren Nachwuchs sein sollte.

Lassen Sie uns sehen, was er für Familien beabsichtigt hat. Lassen Sie uns sehen, was er darüber zu sagen hat, wie Geschwister miteinander auskommen sollten.

Gott gibt Adam eine Familie

In den frühesten Anfängen der Menschheit gab es nur einen einzigen Menschen, Adam. Als erster Mensch überhaupt, mit keinem anderen Menschen um sich, mit dem er sein Leben teilen konnte, befand er sich noch nicht in dem gesunden Umfeld, das sein Schöpfer für ihn vorgesehen hatte (1. Mose 2,18). Zur Lösung dieses Problems gab Gott Adam eine Familie, was eine Ehefrau, Eva, bedeutete und später durch Söhne und Töchter ergänzt wurde (1. Mose 5,4).

Gottes Absicht für die Kinder von Adam und Eva war, dass sie heiraten und neue Familien gründen würden. Wie Gott sagte: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch“ (1. Mose 2,24). Gott möchte, dass Menschen, die heiraten, auch verheiratet bleiben. Er hasst es, wenn Scheidungen erfolgen – wenn ein Mann oder eine Frau die Familie verlässt und sie dadurch aufspaltet (Maleachi 2,16). Zudem verbietet Gott im siebten Gebot Ehebruch (2. Mose 20,14), eine wichtige Sicherheitsmaßnahme zum Schutz der Familienbeziehungen.

Gottes Anweisungen offenbaren klar seinen Willen, dass Ehen – und die Familien, die aus ihnen hervorgehen – Bestand haben sollen. Überraschenderweise ist Gottes Zweck für die Forderung nach stabilen Familien jedoch weit mehr als nur die Ermöglichung von unmittelbarem Glück.

Was die Ehe uns lehrt

In seinem Schreiben an die Gemeinde zu Ephesus wies der Apostel Paulus Ehemänner und -frauen an, einander zu lieben und mit Respekt zu behandeln – genauso wie Christus die Kirche behandelt. Am Ende seiner Ausführungen über die Ehe macht Paulus diese erstaunliche Aussage: „Dies Geheimnis ist groß; ich deute es [die Rede ist hier von der Ehe] aber auf Christus und die Gemeinde“ (Epheser 5,32). Zuvor hatte Paulus in dem gleichen Brief, als er über Gott, den Vater, schrieb, gesagt, dieser wäre „der rechte Vater . . . über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden“ (Epheser 3,15).

Paulus erklärte, dass die menschliche Familie unserer geistlichen Beziehung zu Christus ähnelt. In dieser Analogie ist Jesus als der Ehemann das Haupt der Kirche (Epheser 5,23) und die Kirche ist die Ehefrau, die Braut (Offenbarung 21,9). Jesus starb, um es uns zu ermöglichen, Teil von Gottes Familie zu werden (Johannes 1,12; Römer 8,14. 19). Das war von Anfang an Gottes Plan und Absicht.

Genauso wie Gott die Ehe als eine dauerhafte Beziehung des vollen Vertrauens vorsah, sollte auch unsere Beziehung zu Christus sein. In seiner Beziehung zur Kirche wird Jesus die Braut, die er zutiefst liebt, nie im Stich lassen und in seinem Umgang nie trügerisch sein (Hebräer 13,5; 2. Thessalonicher 3,3). Seine Braut, die Kirche, setzt sich aus Berufenen zusammen, die auf die gleiche Weise treu sind (Offenbarung 2,10; 17,14). Gottes ewige geistliche Familie wird keine vorübergehende Wegwerfbeziehung sein.

Eine menschliche Ehe, die auf dem gleichen Prinzip des Vertrauens gegründet ist, vermittelt den Beteiligten eine kleine Kostprobe ihrer Beziehung mit Christus. Die Familie, wie sie von Gott mit innewohnendem Vertrauen und Glück konzipiert wurde, soll uns einen Vorgeschmack auf eine noch größere Beziehung mit Gott in seinem zukünftigen Reich geben.

Ein Vorgeschmack auf die zukünftige geistliche Familie

Wenn wir davon ausgehen, dass Familien als „Werkstätten“ für Einsichten in geistliche Prinzipien dienen, wie können wir dann Gottes Wunsch für uns in unseren Familien erfüllen? Als Erstes können wir dem fünften Gebot Gehorsam leisten, das uns anweist, unsere Eltern zu ehren (2. Mose 20,12). Indem wir lernen, unsere physischen Eltern zu ehren, lernen wir indirekt auch, unseren geistlichen Vater, den Schöpfergott, zu ehren.

Wenn wir mit Eltern gesegnet sind, die einander lieben und sich in Treue verbunden sind, dann lernen wir aus erster Hand, wie man gegenseitigen Respekt und Liebe füreinander aufbaut und aufrechterhält. Solche Familien sind ein sicherer Hafen in einer gefährlichen Welt voller falscher Werte, Täuschungen und Falschinformationen. Das kommende Reich Gottes ist, auf einfachste Art und Weise ausgedrückt, eine große, glückliche Familie, die auf ewig Bestand haben wird. (Sie finden weitere englischsprachige Artikel darüber, wie Eltern und Teenager eine bessere Beziehung zueinander haben können, in unserer kostenlosen Jugendzeitschrift Vertical Thought. Diese Publikation ist speziell für junge Leute geschrieben.)

Obwohl die meisten jungen Menschen beim Heranwachsen Meinungsverschiedenheiten und Streit mit ihren Geschwistern haben, ist es eine gute Erfahrung für das spätere Leben zu lernen, mit den Geschwistern auszukommen. Trotz all des angeblichen Ärgers mit Geschwistern sind die Beziehungen mit ihnen am Ende dann doch oft die dauerhaftesten. Familie ist schließlich Familie und die Familienmitglieder bleiben Teil unserer Familie. Wir mögen gelegentlich Meinungsverschiedenheiten haben, aber wir bleiben trotzdem Teil der gleichen Familie.

Gott beruft uns dazu, auch Teil seiner Familie zu sein, nicht nur für den Rest dieses physischen Lebens, sondern für alle Ewigkeit. Und wie alle guten Eltern erwartet Gott von uns, dass wir mit unseren geistlichen Geschwistern auskommen.

Ich war das älteste Kind in meiner Familie mit einem jüngeren Bruder und einer jüngeren Schwester. Obwohl ich sie nicht immer mit so viel Respekt behandelt habe, wie ich es hätte tun sollen, ist mein Leben durch sie heute trotzdem reicher und erfüllter. Sie zählen zu meinen engsten Freunden.

Familiengenerationen

Mit der Zeit kann sich unsere Perspektive verändern. Meine eigenen Kinder sind jetzt erwachsen. Ich empfinde heute eine tiefere Wertschätzung für die Wichtigkeit, die meine Eltern darauf gelegt haben, dass alle miteinander auskommen und sich gegenseitig Respekt erweisen. Ich stimme mit ihnen voll überein und folge wohl in ihren Fußtapfen.

In all den Jahren waren meine Familie und die Familie meiner Frau für uns eine Quelle der Stabilität, der Liebe und der Ermutigung. Ich weiß langlebige Familienbeziehungen zu schätzen, weil sie mir versichern, dass Gott uns die gleiche Art von Beziehung anbietet.

Wie steht es also um die neue Idee, dass Familien praktisch jede Kombination von Erwachsenen und Kindern sein können? Gott sagt, dass die ideale Familieneinheit aus einem Mann mit seiner Frau und Kindern, die sich einer dauerhaften Beziehung verpflichtet haben, besteht (1. Mose 2,24; Matthäus 19,4-6; Epheser 5,22-33; 6,1-4). Das ist das vorgegebene Muster, das die Grundlage einer jeden gesunden Gesellschaft ist.

Ich darf mich zu denen zählen, die mit den großen Freuden einer traditionellen Familie, so wie es unser Schöpfer vorgesehen hat, gesegnet sind. Ich habe keinerlei Verlangen danach, zu sehen wie die biblische Definition der Familie pervertiert werden kann. Wenn ich meine Erfahrungen mit denen der vielen dysfunktionalen Familien und unglücklichen Beziehungen vergleiche, die ich in meinem persönlichen Umfeld vielfach erlebe, wird mir jedes Mal deutlich, dass Gottes Weg, wie er in der Bibel aufgezeigt wird, der weitaus bessere ist.

Was aber, wenn Ihre Eltern geschieden und wiederverheiratet sind und Sie sich in einer Patchworkfamilie mit einem Stiefelternteil und neuen Geschwistern wieder finden? Sind Sie und Ihre Familie dann in der neuen Beziehung zum Scheitern verurteilt? Natürlich nicht! Gott will, dass wir von den eigenen Fehlern und den Fehlern anderer lernen und die Gelegenheit bekommen, die Dinge das nächste Mal besser zu machen.

Ihre beste Handlungsstrategie ist dann, das zu tun, was jeder Mensch tun sollte – sich die größte Mühe zu geben, Ihre neue Familie zu einem Erfolg werden zu lassen. Ehren Sie Ihre Eltern, wie Gott es Ihnen aufträgt, respektieren Sie Ihre Brüder und Schwestern – die alten und die neuen. Bleiben Sie sich Ihres Schöpfers und seiner Anweisungen für ein erfolgreiches Leben bewusst.

Wenn wir diesem Ansatz folgen, können wir am Ende Teil der größten Familie von allen sein, der Familie Gottes: „Nach dessen [Jesu Christi] Bild sollen sie alle gestaltet werden, damit er der Erstgeborene unter vielen Brüdern und Schwestern ist“ (Römer 8,29; Gute Nachricht Bibel).