Das erste Jahr Ihres Kindes:
Was kommt auf Sie zu?

Das erste Jahr Ihres Kindes: Was kommt auf Sie zu? © PublicDomainPictures/Pixabay
Was Sie als neue Eltern im ersten Jahr machen, legt für die kommenden Jahre die Grundlage für ein erfolgreiches Elternsein und eine erfolgreiche Ehe.

Sind Sie frischgebackene Eltern? Welche Überraschungen hält das nächste Jahr für Sie und Ihr Kind bereit? Wie legen Sie die Grundlage für den zukünftigen Erfolg der Familie?

Von Nancy Capo

Elke schlief mitten in der Nacht während des Stillens auf dem Fußboden ein. Sie wachte später in ihrem eigenen Bett auf und war sich nicht sicher, ob sie das Baby tatsächlich gestillt hatte.

Sara hüpfte drei Monate lang jeden Abend auf ihrem Geburtsball herum, während sie ihren neugeborenen Sohn an ihre Brust drückte – es war das einzige, was gegen sein von Koliken verursachtes Schreien half.

Julia und Dirk sahen einander an und begannen sofort wortlos und spontan mit dem Spiel „Stein, Papier, Schere“ um zu bestimmen, wer ihrem zuvor an Verstopfung leidenden Sohn die Windeln würde wechseln müssen.

Ein Neugeborenes stellt nichts weniger als ein Abenteuer dar, das viele frischgebackene Eltern als „die besten und schwersten Tage unseres Lebens“ beschreiben.

Die drei größten Herausforderungen im ersten Jahr eines Babys drehen sich um Schreien, Schlafen und Stillen.

Bei der Informationsbeschaffung für diesen Artikel habe ich eine Reihe von Experten befragt – mindestens ein Dutzend Eltern aus unserem Jahrgang, die Kinder hatten, die jünger als ein Jahr alt waren. Die meisten bestätigten, dass Schreien, Schlafen und Stillen ganz oben auf ihrer Liste standen und dass die Elternschaft im ersten Jahr sie wesentlich mehr forderte, als sie jemals erwartet hatten.

Julia sagt: „Ich habe immer gehört, dass das erste Ehejahr das schwierigste Jahr einer Ehe sein soll. Ich denke aber, dass das vielmehr das erste Lebensjahr des Kindes ist. Was für ein Jahr! Ich hatte keine Ahnung.“

Ich bin mir nicht sicher, ob irgendetwas Sie wirklich auf die Realität des ersten Jahrs des Elternseins vorbereiten kann – jedes Kind ist anders, sodass dies selbst für dieselben Eltern jedes Mal eine andere Reise bedeuten kann. Wenn ich Ihnen aber eine Weisheit für dieses erste Jahr vermitteln könnte, dann wäre es die folgende: Was Sie im ersten Jahr machen, legt für die kommenden Jahre die Grundlage für ein erfolgreiches Elternsein und eine erfolgreiche Ehe.

Zielgerichtete Kindererziehung

Es kann wirklich schwierig sein, das große Ganze im Blick zu haben, wenn zu Ihrem hormonellen Auf und Ab auch noch extremer Schlafmangel hinzukommt. Aber das gehört mit zum Elternsein dazu. Während Sie Ihr erstes Jahr als Eltern durchleben, ist es wichtig, dass Sie sich die Frage stellen: „Wie wünsche ich mir mein Kind in zwei, fünf, zehn oder 20 Jahren? Wie soll meine Ehe zu diesem Zeitpunkt aussehen?“

Das Ziel der Kindererziehung ist es, unsere Kinder darauf vorzubereiten, erst verantwortungsbewusst in die Welt der Erwachsenen und am Ende dann in Gottes Reich mit einer reifen, gottgefälligen Perspektive einzutreten („Erzieht sie in der Zucht und Ermahnung des Herrn“ – Epheser 6,4). Gott hat eine Aufgabe für Ihr Kind vorgesehen. Ihre Aufgabe ist es wiederum, es zu erziehen und anzuleiten und seine Talente und Begabungen zu nähren und zu fördern.

Es ist zwar eine Zeitlang „Ihr“ Kind, aber es ist für Mama und Papa wichtig, sich auf das zu konzentrieren, was Gott – der Schöpfer und himmlische Vater Ihres Kindes – im Hinblick auf sein ewiges Leben vorhat. Das erfordert Respekt für Ihr Kind, während Sie gleichzeitig Autorität und Führung ausüben müssen. Alles, was Sie sagen oder tun – oder eben zu sagen oder tun vernachlässigen –, wird Ihr Kind in einer gewissen Weise belehren und die Sicht Ihres Kindes davon, wie Gott (sein letztendlicher Vater) wirklich ist, beeinflussen.

Wenn Ihr Kind Sie anblickt, sieht er oder sie dann einen Abglanz Gottes? Lernt Ihr Kind durch Sie, dass Gott zuverlässig, beständig, geduldig, unendlich liebevoll ist, Respekt verdient und immer zugänglich ist?

Als Team zusammenarbeiten

Das Gehirn hat, beginnend im achten Schwangerschaftsmonat, in den ersten Lebensjahren die höchste Wachstumsrate. Während dieser Zeit sind die Kinder wie kleine Schwämme, die Informationen durch all ihre fünf Sinne, Gemütslagen und Beziehungen aufsaugen. Marie, eine elterliche Expertin, riet mir: „Nehmen Sie sich die Zeit, Ihr Baby zu belehren. Babys liegen oft herum und benehmen sich häufig so, als wüssten sie nicht, was in ihrem unmittelbaren Umfeld vorgeht, aber sie sind schlauer, als wir meinen.“

Auf dem Büchermarkt herrscht kein Mangel an Informationen und praktischen Hinweisen und verschiedenen Lösungsansätzen zu Problemen mit Stillen und Brustverweigerung, mit Koliken, Windeln, Babyschlafzeiten, Einschlafritualen, Trennungsangst usw. Die praktischen Herausforderungen der Kinderbetreuung dominieren weitgehend – und manchmal auch auf frustrierende Weise – das Leben frischgebackener Eltern. Vieles an diesen Informationen erscheint widersprüchlich. Es ist wichtig, dass beide Eltern diese Fragen gemeinsam miteinander besprechen und sich auf einen Teamansatz einigen.

Die gegenseitige Unterstützung und Zusammenarbeit ist unbedingt notwendig. Jesus und sein himmlischer Vater stimmen völlig darin überein, wie die geistlichen Kinder in der Familie Gottes aufgezogen werden sollten, und es ist von entscheidender Bedeutung, dass auch Mama und Papa als eine Einheit zusammenarbeiten.

Wenn Eltern in der Kindererziehung unterschiedlicher Meinung sind, wem folgt das Kind dann? Keinem von beiden – stattdessen wird es lernen, die beiden Eltern gegeneinander auszuspielen, oder das Kind wird lernen, Autorität gering zu schätzen und zu verachten (selbst „liebevolle“ Autorität), weil das Ganze zu verwirrend und widersprüchlich ist. Eltern sollten lernen, es in diesem ersten Jahr richtig zu machen – weil es sonst später viel schwieriger werden wird. Das erste Jahr ist die Zeit, um gute Gewohnheiten bei der Kindererziehung zu entwickeln.

Familienzuwachs hat Auswirkungen auf Ihre Ehe

Wenn die Zeit der harten Arbeit bei der Kindererziehung vorbei ist, was bleibt den Eltern dann? Werden Sie eine starke Ehe haben, in der die Bindung durch den erfolgreichen Aufbau einer Familie noch enger geworden ist? Wird sich Ihre Freundschaft vertieft haben, mit Erinnerungen an Freude und Lachen?

Werden Sie eine Basis an Teamarbeit haben, auf der Sie die nächste Phase Ihres gemeinsamen Lebens – jetzt wieder nur Sie beide – aufbauen können? Elke führt sich immer wieder vor Augen, „wie wichtig meine Beziehung zu meinem Ehemann ist, er muss an erster Stelle stehen. Er wird in 18 Jahren hier bei mir sein, mein Kind aber nicht.“

Denken wir einmal praktisch. Die Ehe kann einen Schlag versetzt bekommen, wenn aus dem „Paarleben“ ein „Familienleben“ wird. Es scheint dann nur noch wenig Zeit oder Energie füreinander übrig zu bleiben. Weil die Bedürfnisse des Babys in dem Sinne Priorität haben, dass es sofortige, spontane Aufmerksamkeit benötigt, werden die Bedürfnisse des Paares oft auf „später“ verschoben.

Wie kann ein Paar da eine enge Beziehung aufrechterhalten? Die Lösungen, die diese Elternpaare vorschlagen, zeigen ihre nachhaltige Hingabe an ihre Kinder, während die Bedürfnisse des Paares doch eine Priorität bleiben, die liebevoll und mit Reife integriert wird, während sie ihre Familie gemeinsam aufbauen.

Monika vermittelt diese Einsicht: „Wir mussten bewusst daran denken, uns immer mit Liebe zu behandeln, selbst nach nur vier Stunden Schlaf. So etwas fällt nicht leicht. Aber das hat uns als Familie überhaupt erst zusammengebracht, und das wird uns auch zusammenhalten.“

Peter merkt an: „Silvia und ich waren ständig emotional erschöpft.“ Sie raten dazu, sich ein unterstützendes Netzwerk innerhalb der Familie, im engen Freundeskreis und der Kirchengemeinde aufzubauen, sodass das Paar regelmäßig auch alleine ausgehen kann. Für manche sind „Familienaktivitäten“ die Antwort – besonders in den frühen Monaten, wenn Mütter und Babys buchstäblich praktisch untrennbare „Busenfreunde“ sind und es im Grunde nur Stress verursachen würde, die Mutter vom Baby wegzuholen.

Eine regelmäßige, frühe Zeit beim Schlafengehen der Kinder ist für viele Paare so etwas wie ein Lebensretter gewesen, wo man gemeinsam daran arbeitete, die Kinder um 20.00 Uhr ins Bett zu bringen, um dann auf der Couch oder im Schlafzimmer etwas Zeit miteinander zu verbringen. Aber trotz allem ist die Erschöpfung ein wichtiger Faktor während dieses ersten Jahres. Vor allem die Väter müssen besonders geduldig und verständnisvoll sein. Papa mag die Kinder zwar um 20.00 Uhr endlich ins Bett gebracht haben, nur um dann festzustellen, dass Mama um 20.05 Uhr bereits eingeschlafen ist. Und das ist kein Witz!

Ratschläge von anderen

Als frischgebackene Eltern stellen Sie wahrscheinlich fest, dass andere Ihnen Ratschläge erteilen wollen. Bärbels Vorschlag: „Hören Sie sich einfach all den ungebetenen Rat an, den Sie ertragen können, und verarbeiten Sie ihn dann später mit Ihrem Ehemann. Das ist gut für die Gefühle aller (aber es ist schwieriger, als es klingt, wenn Ihr Körper während dieser Zeit von Hormonen überflutet wird) und Sie können sogar einige wertvolle Einsichten daraus entnehmen, wenn Sie sich dazu entschließen, das Ganze später noch einmal wirklich zu durchdenken.“

Die meisten Fragen müssen in Wirklichkeit von Ihnen gemeinsam mit Ihrem Ehepartner entschieden werden. Halten Sie aber die Augen, Ohren und Ihr Herz offen für die Weisheit, die aus den Nachforschungen und Erfahrungen anderer Eltern erwachsen kann.

Ihr Baby in seinem ersten Jahr zu betreuen ist eines der intensivsten Erlebnisse Ihres Lebens – ja, auf intensive Weise stressvoll. Aber die Augenblicke reinster Freude scheinen diesen Stress verschwinden zu lassen, wenn Sie diese jeweils ergreifen und in Ihrem Herzen festhalten. Sie werden Ihrem Kind beim Schlafen zusehen und nicht in der Lage sein, sich wegzureißen – immer noch ein wenig länger zuschauen wollen. Sie werden Ihr Baby stillen und seine süßen Seufzer der Zufriedenheit bei jedem Atemzug hören. Sie werden Ihren Finger in seine Handfläche legen und seine Finger werden Ihren mit einem erstaunlich festen Griff umschließen.

Beruhigende Wiegenlieder zu singen, im Wohnzimmer mit dem Baby zu tanzen oder es um Mitternacht, während alles still ist, im Arm zu wiegen – das sind Momente, die Sie später wertschätzen werden. Ihre größten Freuden werden seine jüngsten Fähigkeiten sein – sein erstes Lächeln, sein erstes Lachen, sein erster Zahn, sein erstes Wort, sein erster Schritt.

Dieses Jahr beschert Ihnen viele neue Erfahrungen – und am wichtigsten sind dabei Ihre ersten Schritte zum Aufbau der Ehe und Familie, die Gott für Sie beabsichtigt hat.

– Gute Nachrichten September-Oktober 2007 PDF-Datei dieser Ausgabe

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