Mangelnde Toleranz und die jüngste Weltreligion

Mangelnde Toleranz und die jüngste Weltreligion © Johannes Plenio/Pixabay
Nicht der Islam, sondern die Evolutionstheorie mit einer Anhängerzahl von weit über Hundertmillionen und einer Ausbreitung überall auf der Erde ist die jüngste Weltreligion.

Von der Redaktion

Bei der Überschrift für diese Spalte meinen Sie vielleicht, es geht uns um die Proteste in der islamischen Welt gegen die Mohammed-Karikaturen, die zunächst von einer dänischen Zeitung und anschließend von anderen europäischen Zeitungen veröffentlicht wurden. Nein, darum geht es uns nicht, denn unserer Meinung nach ist der Islam nicht die jüngste der großen Weltreligionen.

Nicht der Islam, sondern die Evolutionstheorie mit einer Anhängerzahl von weit über Hundertmillionen und einer Ausbreitung überall auf der Erde ist die jüngste Weltreligion. „Moment mal“, mögen Sie einwenden, „ist die Evolution nicht eine naturwissenschaftliche Disziplin?“ So werden es wohl manche Leser der Zeitschrift Gute Nachrichten sehen.

Ob die Evolutionstheorie Aspekte einer Religion beinhaltet ist sicherlich eine Sache der Definition. Die Naturwissenschaften befassen sich mit allem, was wir mit unseren fünf Sinnen erfassen können. Religion hingegen befaßt sich mit dem Bereich jenseits der sinnlichen Erfahrung. Wo die naturwissenschaftliche Methode der Beobachtung aufhört, fängt der Glaube an. Durch Glauben ist man auch ohne naturwissenschaftliche Beweise überzeugt, daß eine Sache so ist, wie man sie sieht bzw. versteht.

Für den Nachweis, daß die Evolution Elemente des Glaubens aufweist, braucht man vor dem Hintergrund naturwissenschaftlicher Gesetze nur zwei Fragen zu stellen. Ist die Materie von selbst entstanden und entsteht Leben von nichtlebender Materie? Nach naturwissenschaftlichen Erkenntnissen kann die Antwort auf die beiden Fragen nur „nein“ heißen. Trotzdem gehen die Anhänger der Evolution davon aus, daß die Antwort einmal in der Vergangenheit „ja“ geheißen hat. Für diese Antwort haben sie jedoch keine Beweise. Sie glauben einfach, daß das Leben irgendwie von selbst entstanden ist. Obwohl sie wissen, daß die Materie nicht ewig existiert hat, glauben sie, daß sie, als der sogenannte Urknall stattfand, „bereits da“ gewesen ist.

Es gibt aber Naturwissenschaftler, die die Evolution für das sehen, was sie wirklich ist: eine Glaubensauffassung. So meinte der Physiker Paul Davies einst, daß der Urknall „die augenblickliche Einstellung naturwissenschaftlicher Gesetze darstellt – den plötzlichen, abrupten Blitz der Gesetzlosigkeit –, der etwas aus dem Nichts entstehen ließ. Es ist ein wahrhaftiges Wunder, das naturwissenschaftliche Prinzipien übersteigt“ (The Edge of Infinity, New York, Verlag Simon und Schuster, 1981, Seite 161).

In seinem Vorwort zu einem Nachdruck der englischen Ausgabe von Charles Darwins Die Entstehung der Arten schrieb der verstorbene britische Biologe L. Harrison Matthews folgendes: „Der Glaube an die Evolutionstheorie ist ... dem Glauben an eine besondere Schöpfung genau parallel – beides sind Konzepte, die ihre Anhänger für wahr halten, aber keines von beiden konnte bis heute bewiesen werden“ (J. M. Dent & Sons Ltd, London, 1971, Seite xi).

Schöpfung und Evolution sind also zwei verschiedene Glaubensauffassungen. Interessant ist, daß Anhänger der Evolution die Gläubigen an die Schöpfung oft als ungebildet, fundamental, reaktionär und engstirnig sehen. Im Gegensatz dazu gelten die Gläubigen an die Evolution als gebildet, naturwissenschaftlich konsequent und fortschrittlich.

Wir meinen, etwas mehr Toleranz unter den Gläubigen ist vonnöten.

– Gute Nachrichten März-April 2006 PDF-Datei dieser Ausgabe

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