„Und ihr, für wen haltet ihr mich?“

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Wer war der Mann, der auf dem Wasser ging, den Sturm besänftigte, die Kranken heilte und nach seiner Identität fragte? Wie wichtig ist die Identität Jesu als der Christus?

Wir kennen seinen Namen – Jesus. Was bedeutet aber der Titel „Christus“? Welche Erwartungen löste Jesus aus? Konnte er die Hoffnungen seiner Landsleute erfüllen? War er der wahre Christus?

Von Tom Robinson

Im Norden Israels gibt es ein herrliches Naturschutzgebiet, in dem sich die Quelle und der Oberlauf des Banyas-Flusses befinden. Eine besondere Attraktion ist der zehn Meter hohe Wasserfall. An der Stelle des heutigen Banyas befand sich das antike Cäsarea Philippi. Hier fragte Jesus von Nazareth seine Jünger: „Und ihr, für wen haltet ihr mich?“ (Matthäus 16,15; Gute Nachricht Bibel).

Wer war der Mann, der auf dem Wasser ging, den Sturm besänftigte, die Kranken heilte und solche Fragen stellte? „Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ (Vers 16). Jesus bestätigte den Wahrheitsgehalt dieser Aussage (Vers 17).

Schon zuvor hatte Jesus einer Samariterin seine Identität offenbart. „Spricht die Frau zu ihm: Ich weiß, daß der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen. Jesus spricht zu ihr: Ich bin’s, der mit dir redet“ (Johannes 4,25-26).

Später, als die religiösen Führer der Juden Jesus gefangennehmen ließen, befahl ihm der Hohepriester: „Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes“ (Matthäus 26,63). Jesus bestätigte: „Du sagst es“ (Vers 64).

Wie wichtig ist die Identität Jesu als der Christus? Der Apostel Johannes schrieb, daß derjenige, „der leugnet, daß Jesus der Christus ist“, ein Lügner und Feind Gottes ist (1. Johannes 2,22). Natürlich muß man wissen, was die Bezeichnung „Christus“ bedeutet und beinhaltet, um mit Überzeugung erklären zu können, daß Jesus der Christus ist.

Des Herrn Gesalbter

Der Begriff Christus ist eine Ableitung von dem neutestamentlichen griechischen Wort christos, was „gesalbt“ bedeutet. Das hebräische Äquivalent im Alten Testament ist mashiach. Dieser Begriff wird in der Lutherbibel mit Messias übersetzt (Johannes 1,41; 4,25). Sowohl Christus als auch Messias bedeuten „gesalbt“ bzw. „der Gesalbte“.

Welche Bedeutung hatte die Salbung? Das Nachschlagewerk The Oxford Companion to the Bible sagt darüber: „In der hebräischen Bibel wird dieser Begriff häufig für Könige benutzt, deren Investitur durch die Salbung mit Öl hervorgehoben wurde (Richter 9,8-15; 2. Samuel 23,1; 1. Könige 1,39; Psalm 89,20). Es wurde ihnen auch der Titel ,des Herrn Gesalbter‘ verliehen (1. Samuel 2,10; 12,3; 2. Samuel 23,1)“ (Bruce Metzger und Michael Coogan, Herausgeber, 1993, Stichwort „Messiah“, Seite 513).

Die Salbung „war im antiken Nahen Osten weit verbreitet. Die Amarna-Briefe [in Ägypten gefundene Tontafeln] weisen darauf hin, daß die Salbung in der Gegend von Syrien und Palästina im 14. Jahrhundert v. Chr. ein königliches Ritual war“ (Stichwort „Anoint“, Seite 30). Es wurden aber nicht nur Könige gesalbt, sondern auch die Hohenpriester Israels (3. Mose 4,3. 5. 16) und einige der Propheten (1. Könige 19,16).

In der Bibel ist die Salbung ein Akt der Einsegnung – die Aussonderung zum heiligen Werk Gottes, symbolisch die Ausschüttung des heiligen Geistes (vgl. Jesaja 61,1; Römer 5,5). Sie stellte Gottes Macht und sein Eingreifen dar, um die Pflichten des Amtes, zu dem man auserwählt worden war, erfüllen zu können. Jesus selbst war „mit heiligem Geist und mit Kraft gesalbt“ (Apostelgeschichte 10,38; Elberfelder Bibel).

Messianische Erwartungen

Als Jesus auf der Bildfläche erschien, erwarteten die Juden die Ankunft eines Führers mit dem Namen Messias (Lukas 3,15). Sie verstanden, daß dies die Zeit war, für die das Kommen des Messias, des „Gesalbten“ und „Fürsten“ vorausgesagt war (Daniel 9,25). Es bestand allerdings große Uneinigkeit darüber, auf wen dieser Begriff zutraf. „In zwischentestamentlicher Zeit wurde über drei messianische Figuren spekuliert (der gerechte Priester, der gesalbte König und der Prophet der letzten Tage)“ (John Bowker, Herausgeber, The Oxford Dictionary of World Religions, 1997, Stichwort „Messiah“, Seite 637).

Die Bibel enthält viele Prophezeiungen über einen zukünftigen König und Erlöser. Der Prophet Jeremia schrieb: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, daß ich dem David einen gerechten Sproß erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird“ (Jeremia 23,5-6; siehe auch Jesaja 9,6-7).

Jesus war dieser prophezeite König (Lukas 1,32-33). Als Pontius Pilatus ihn fragte, ob er ein König sei, antwortete Jesus: „Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich die Wahrheit bezeugen soll“ (Johannes 18,37). Tatsächlich war die gute Nachricht bzw. das Evangelium, das Jesus verkündete, das zukünftige weltumspannende Reich Gottes, dessen Regierungsoberhaupt er sein wird.

Prophet und Priester

Gott sonderte Jesus als König aus. Wie steht es aber mit den biblischen Beispielen der Salbung zum Propheten und Priester? Erfüllt Jesus auch diese Rollen?

Mose, der Prophet, Gesetzgeber und Richter über Gottes Volk war, sagte das Kommen eines Propheten voraus, der ihn ersetzen würde (5. Mose 18,18). Dieser Prophet wird demjenigen gleichgestellt, der in Jesaja 61, Vers 1 als der Gesalbte erwähnt wird. Er soll „den Elenden gute Botschaft ... bringen“.

Später sagte Petrus ganz deutlich, daß Jesus der angekündigte Prophet war (Apostelgeschichte 3,20-23). Jesus selbst erklärte, daß er der gesalbte Prophet von Jesaja 61 war, der die gute Nachricht bzw. das Evangelium brachte. „Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren“ (Lukas 4,17-21). Im Gegensatz zu der Ansicht, daß der Prophet bzw. der königliche Messias zwei verschiedene Personen seien (vgl. Johannes 1,20-21), beziehen sich diese zwei Titel also auf dieselbe Person – Jesus von Nazareth.

„Der Glaube an einen priesterlichen Messias, Sohn Aarons [wenn man von einem Nachkommen von Israels erstem levitischen Hohenpriester ausgeht], der zusammen mit dem davidischen Messias Israel erretten würde, erscheint in den Schriftrollen vom Toten Meer ... Die mysteriöse Figur des Melchisedek (1. Mose 14,18) stellt einen Titel für jemanden zur Verfügung, der sowohl König als auch Priester ist (Psalm 110,4; Hebräer 7)“ (Metzger und Coogan, Seite 514).

Es handelte sich hierbei anscheinend um eine falsche Interpretation von Psalm 110. David schrieb: „Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten“ (Vers 1) und „der Herr hat geschworen, und es wird ihn nicht gereuen: Du bist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks“ (Vers 4).

Wie eine Unterhaltung zwischen Jesus und den Pharisäern zeigt, verstand man allgemein, daß der „Herr“, zu dem Gott hier spricht, der Messias ist (Matthäus 22,43-44). Jesus machte deutlich, daß der Messias ein Nachkomme Davids sein sollte (Verse 41-42 bzw. 45-46).

Dies wies nicht auf einen weiteren priesterlichen Messias hin, sondern darauf, daß der prophezeite davidische König auch ein Priester sein würde. Wie Hebräer 7 erklärt, ist er kein levitischer Priester aus der Linie Aarons, sondern ein Priester, der noch höher gestellt ist, nämlich Jesus selbst (Vers 22).

Widersprüchliche Rollen?

Der Messias war also Priester, Prophet und König. Es war jedoch offensichtlich, daß Jesus nicht als Priester oder König diente. Er hat Israel nicht wiederhergestellt. Auch regierte er nicht auf ewige Zeiten. Als die Menschen „ihn ergreifen wollten, um ihn zum König zu machen“, zog Jesus sich in die Einsamkeit zurück (Johannes 6,15).

Später wurde er als „König der Juden“ bejubelt. Doch dieser Titel sollte ihn verspotten, denn er wurde brutal geschlagen und gekreuzigt. Wie wir alle wissen, starb Jesus. Viele seiner Zeitgenossen haben nicht verstanden, wie er der Messias hätte sein können.

Rabbinische Lehren aus dieser Zeit, die sich auf die Heilige Schrift bezogen, hätten allerdings helfen können. Das Bibellexikon Unger’s Bible Dictionary sagt aus: „Wie [Autor Alfred] Edersheim zeigt, schließt ihre Interpretation ,solche Lehren mit ein: die vorweltliche Existenz des Messias, seine Erhöhung über Mose und die Engel, sein grausames Leiden und seine Verspottung, sein brutaler Tod für sein Volk, seine Versöhnung mit Israel und dessen Wiederherstellung, die Opposition der Heiden, ... ihr teilweises Gericht und Bekehrung, die Verbreitung seines Gesetzes, die universellen Segnungen der letzten Tage und sein Reich‘ “ (Stichwort „Messiah“, 1966, Seite 718).

Es bestand allerdings große Verwirrung, weil einige Prophezeiungen anderen Prophezeiungen zu widersprechen schienen. Die Juden verstanden nicht, wie der Messias ein erobernder König (Psalm 2) sein konnte und gleichzeitig ein leidender, demütiger Diener, der von seinem Volk verachtet würde und sterben müßte (Jesaja 52,13-15; 53,1-12). Deshalb lehnten viele die Prophezeiungen von dem leidenden Diener in bezug auf den Messias ab. Sie sahen darin eher einen symbolischen Bezug zu Israel.

Andere bestanden darauf, daß zwei Messiasse kommen mußten: „Dem davidischen Messias würde eine zweite Figur vorangehen, ... die später getötet werden würde“ (Bowker). Man ging allgemein davon aus, daß diese Person kurze Zeit vor dem Erscheinen des davidischen Messias ein Militärführer sein würde. Die Juden verstanden nicht, daß der Messias als Opfer für die Sünde dienen sollte.

Die Erwartung von zwei Messiassen im ersten Jahrhundert erklärt vielleicht eine Frage von Johannes dem Täufer. Obwohl er Jesus als „Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt“ (Johannes 1,29), ankündigte und eine Stimme vom Himmel hörte, die Jesus als den Sohn Gottes verkündete (Markus 1,11), sandte Johannes während eines Gefängnisaufenthaltes einen Boten, um Jesus zu fragen: „Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?“ (Matthäus 11,3).

Jesus antwortete: „Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert“ (Verse 4-6).

Dies waren alle prophetischen Kennzeichen des zukünftigen Messias und Königs. Jesus versicherte Johannes, daß er bestimmt war, die Prophezeiungen über den Messias zu erfüllen.

Beweise für den Messias

Um gegen die römische Besatzung Israels anzugehen, erhoben sich viele Möchte-gern-Messiasse, wie z. B. Judas der Galiläer und Theudas, ein Jude aus Ägypten (Apostelgeschichte 5,36-37). Beide starben. Selbst nachdem die Römer Judäa 70 n. Chr. völlig zerschlagen hatten, gab es neue „Messiasse“. Doch sie starben alle und erhoben sich nie wieder.

Auch Jesus starb. Aber im Gegensatz zu allen anderen messianischen Anwärtern erhob er sich nach drei Tagen wieder. Diese Tatsache war ein Beweis dafür, daß er der Messias war (Matthäus 12,39-40). Sie bewies, wer er war, denn nur so konnten die Prophezeiungen über den Messias erfüllt werden. Er mußte sterben, um der leidende Diener zu sein, der für die Sünde aller Menschen starb. Er mußte drei Tage tot bleiben – solange wie er es vorhergesagt hatte –, um zu beweisen, daß er ein echter Prophet war. Und er mußte wieder auferstehen, um als Hoherpriester zu dienen und um als König zurückzukehren.

Selbst die Jünger hatten dies nicht verstanden, obwohl er es ihnen erklärt hatte (Lukas 9,22. 44-45). Nach seiner Auferstehung erschien er zwei von ihnen und sagte: „O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Mußte nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ (Lukas 24,25-27).

Christus – der Messias, der Gesalbte – ist ein zentrales Thema der Bibel. Er ist gekommen. Sein Name ist Jesus. Er lebte als Mensch und starb bei der Kreuzigung. Gott weckte ihn wieder vom Grab auf. Christus wird wiederkommen, um die ganze Welt zu regieren, Israel wiederherzustellen, ewigen Frieden zu bringen und alle zu retten, die ihn annehmen.

Im nächsten Artikel dieser Reihe werden wir weitere Behauptungen Jesu untersuchen, die er über seine Identität machte. Seine Zuhörer waren damals sehr überrascht. Vielleicht werden auch Sie überrascht sein!

– Gute Nachrichten März-April 2006 PDF-Datei dieser Ausgabe

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