
Wahre biblische Treue bedeutet, in jedem Lebensbereich stets vollkommen ehrlich, verlässlich und loyal zu sein und somit den Charakter Gottes widerzuspiegeln.
Von Peter Eddington
Wenn wir an Treue denken, verbinden die meisten Menschen damit zunächst eheliche Treue. Doch Treue ist weit mehr als das, was landläufig darunter verstanden wird. Sie durchdringt nahezu jeden Bereich unseres Lebens.
Treue ist nicht nur ein menschliches Ideal, sondern vor allem eine göttliche Eigenschaft – ein Wesenszug Gottes, dem wir nacheifern sollen. (Siehe „Auf die Treue Gottes vertrauen“ auf Seite 3.)
Doch was bedeutet Treue eigentlich genau? Wie leben wir sie konkret aus? Und in welchen Situationen unseres Alltags zeigt sie sich besonders?
Treue entsteht nicht von selbst
Auf unserem Weg, Gott ähnlicher zu werden, sollte Treue einen zentralen und hohen Stellenwert in unserem Wertesystem einnehmen. Viele Menschen bekennen sich zwar zur Treue, doch nur wenige leben sie tatsächlich. Der Grund liegt oft darin, dass diese Tugend ihren Preis hat – und nur wenige bereit sind, ihn zu zahlen. Für den gottesfürchtigen Menschen hingegen ist Treue unverzichtbar, ganz gleich, was es kostet.
Doch was bedeutet Treue eigentlich? Die biblischen Grundbegriffe beschreiben etwas Festes, Beständiges, auf das man sich verlassen kann. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache definiert Treue als „Beständigkeit und Zuverlässigkeit in der engen Bindung zu jemandem oder einer Sache“.
Gängige Synonyme sind zuverlässig, vertrauenswürdig und loyal. Das Wort schließt zudem absolute Ehrlichkeit und Integrität mit ein.
Ein treuer Mensch ist vertrauenswürdig, loyal und verlässlich. Er handelt in allen Beziehungen und in allem, was er tut, mit vollkommener Ehrlichkeit und ethischer Integrität.
Inwieweit entspricht unsere Treue der Treue Gottes? In welchem Maße werden wir jeden Tag mehr wie unser himmlischer Vater und wie unser älterer Bruder Jesus Christus?
Wie sollte unsere Treue konkret aussehen? Dazu betrachten wir drei wesentliche Bereiche.
1. Absolute Ehrlichkeit
Absolute Ehrlichkeit im Reden und Handeln muss das unverkennbare Kennzeichen eines gläubigen Christen sein. Die Bibel sagt klar: „Lügenmäuler sind dem Herrn ein Gräuel; die aber treulich handeln, gefallen ihm“ (Sprüche 12,22). Und an anderer Stelle: „Falsche Waage ist dem Herrn ein Gräuel; aber ein volles Gewicht ist sein Wohlgefallen“ (Sprüche 11,1).
Wichtig ist: Wir können nicht nur mit Worten untreu sein, sondern auch durch unsere Taten – besonders in geschäftlichen Dingen. Gott verabscheut jede Form von Lüge und unehrlichem Handeln, sei es durch betrügerische Taktiken oder durch Täuschung. Er fordert von uns nicht nur, nicht zu lügen, sondern jede Art von Täuschung zu meiden.
Wir lügen oder täuschen, wenn wir in unserer Lebensführung vorgeben, etwas zu sein, das wir nicht sind, oder wenn wir in Prüfungen schummeln, unser Einkommen bei der Steuererklärung nicht vollständig angeben oder einem potenziellen Käufer bekannte Mängel an unserem Gebrauchtwagen verschweigen. Ehrlichkeit durchzieht wirklich jeden Bereich unseres Lebens.
Manchmal denken wir dabei nur an die großen Lügen. Doch auch die „kleinen“ gesellschaftlichen Lügen, harmlosen Übertreibungen oder das leichte Verdrehen von Fakten in einer Geschichte zeigen, dass wir doch nicht ganz so ehrlich sind, wie wir gemeint haben.
Denken Sie an unser Vorbild Jesus Christus. Bei einer Begegnung mit seinen Feinden fragte er sie: „Wer von euch kann mir eine Sünde nachweisen?“ (Johannes 8,46; Einheitsübersetzung).
Hätte Jesus auch nur im Geringsten die Wahrheit verdreht oder etwas verschwiegen, hätte er diese Frage nicht mit solcher absoluten Zuversicht stellen können. Wir sind aufgerufen, wie Jesus zu sein – absolut ehrlich.
Warum sprechen wir so ausführlich über Ehrlichkeit auch in den kleinen, alltäglichen Dingen? Weil hier die Grundlage liegt! Wer in den kleinen Dingen treu ist, der wird auch in den großen treu sein. Jesus selbst hat es so formuliert: „Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht“ (Lukas 16,10; alle Hervorhebungen durch uns).
Unsere Gesellschaft braucht dringend eine Erneuerung der Ehrlichkeit – sowohl in geschäftlichen Transaktionen als auch im zwischenmenschlichen Bereich. Denken wir nur an große Unternehmenskandale wie z. B. die Wirecard-Fälschungen oder den Volkswagen-Diesel-Betrug. Deren Führungskräfte waren überzeugt, im Geschäftsleben ohne Kompromisse bei der Wahrheit nicht erfolgreich sein zu können. Ähnliche Haltungen finden wir leider auch in der Politik, im Sport und in vielen anderen Bereichen.
Als Söhne und Töchter Gottes sind wir jedoch zu etwas anderem berufen. Wir sollen Vorbilder absoluter Ehrlichkeit und Treue sein – unabhängig davon, was für andere gerade „normal“ ist.
2. Absolute Zuverlässigkeit
Kaum etwas ist frustrierender, als sich auf jemanden zu verlassen, der nicht zuverlässig ist. Salomo beschreibt dieses Gefühl treffend: „Lass niemals einen Faulpelz für dich arbeiten, denn er wird dir schaden wie Essig deinen Zähnen und Rauch deinen Augen!“ (Sprüche 10,26; „Hoffnung für alle“-Bibel). Es ist so, als würde Kreide quietschend über eine Tafel kratzen – unangenehm, nervig und kaum auszuhalten. Die Unzuverlässigkeit eines faulen Menschen wirkt auf den, der von ihm abhängt, regelrecht quälend.
Solange wir nicht auf eine Person angewiesen sind, können wir ihre faulen Gewohnheiten vielleicht noch ignorieren. Sobald wir jedoch auf ihre Zuverlässigkeit zählen müssen, werden diese Gewohnheiten zur Belastung.
Unsere Gesellschaft täte gut daran, die Tugend der Zuverlässigkeit wieder deutlich höher zu schätzen. Heute wird sie allzu oft persönlichen Wünschen, spontanen Launen oder der Bequemlichkeit untergeordnet. Viele halten ihre Zusagen nur dann ein, wenn es ihnen gerade passt.
Für alle, die ein gottesfürchtiges Leben führen wollen, geht es jedoch weit über gesellschaftliche Erwartungen hinaus: Zuverlässigkeit ist eine christliche Pflicht. Wir schulden sie nicht nur unseren Mitmenschen, sondern in erster Linie unserem himmlischen Vater selbst. Treue und Verlässlichkeit sind Ausdruck unserer Hingabe an ihn und liegen ihm besonders am Herzen.
In Psalm 15 stellt David eine entscheidende Frage und gibt zugleich die Antwort darauf: „Herr, wer darf in dein Heiligtum kommen? Wer darf auf deinem heiligen Berg zu Hause sein? Jeder, der aufrichtig lebt, der das Rechte tut und durch und durch ehrlich ist ... Jeder, der hält, was er geschworen hat, auch wenn ihm daraus Nachteile entstehen [absolute Zuverlässigkeit]“ (ebenda; Verse 1-2 und 4).
Dieser Psalm enthält eine klare Liste ethischer Prinzipien, die ein Mensch erfüllen muss, um in Gottes Nähe leben und Teil seiner Familie sein zu dürfen. Mitten in dieser Aufzählung steht ein besonders herausfordernder Punkt: die absolute Zuverlässigkeit.
Gott erwartet von uns, dass wir unsere Zusagen einhalten – auch dann, wenn es uns persönlich Nachteile oder Kosten bringt. Genau das unterscheidet göttliche Treue von der bloßen Verlässlichkeit der säkularen Welt.
Im Alltag gibt es viele Situationen, in denen eingegangene Verpflichtungen mit der Zeit teuer oder unangenehm werden können. Genau in solchen Momenten ist es nötig, mit Gottes Hilfe die Frucht des Geistes – die Treue – bewusst zu leben.
Kurz gesagt: Gott ruft uns dazu auf, Menschen von absoluter Zuverlässigkeit zu sein.
3. Unerschütterliche Treue
Ein treuer Mensch ist nicht nur ehrlich und zuverlässig, sondern auch loyal. Loyalität bedeutet, einem anderen in guten wie in schlechten Zeiten treu zur Seite zu stehen. Sehr zutreffend hat Salomo es ausgedrückt: „Ein Freund liebt allezeit, und ein Bruder wird für die Not geboren“ (Sprüche 17,17).
Denken wir an die Schönwetterfreunde. Wer nur dann an unserer Seite steht, wenn es bequem ist, der ist kein echter Freund – er nutzt Sie lediglich, um seine eigenen sozialen Bedürfnisse zu stillen. Wahre Loyalität zeigt sich gerade in schwierigen Zeiten.
Ein beeindruckendes biblisches Vorbild dafür ist Jonatan, der Sohn König Sauls. Seine tiefe Freundschaft zu David kostete ihn fast das Leben – durch die Hand seines eigenen Vaters. Jonatan wusste sogar, dass seine Treue zu David ihn den Thron Israels kosten würde. Dennoch blieb er ihm treu. Ob es um Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit oder Loyalität geht: Echte Treue hat fast immer ihren Preis.
Allerdings gibt es eine Form der Loyalität, die wir unbedingt vermeiden sollten: die blinde Loyalität. Sie weigert sich, Fehler oder Fehlverhalten eines Freundes anzusprechen, und erweist diesem letztlich einen Bärendienst.
Die Bibel sagt dazu klar: „Treu gemeint sind die Schläge eines Freundes, zahlreich die Küsse eines Feindes“ (Sprüche 27,6; Einheitsübersetzung). Oder wie es in der „Hoffnung für alle“-Bibel heißt: „Ein Freund meint es gut, selbst wenn er dich verletzt; ein Feind aber schmeichelt dir mit übertrieben vielen Küssen.“
Nur ein wahrhaft treuer Freund hat uns so lieb, dass er die oft undankbare Aufgabe übernimmt, uns auf unsere Fehler und Sünden hinzuweisen. Kaum jemand hört gern, wo er falsch liegt. Genau deshalb machen wir es unseren Freunden so schwer, ehrlich zu uns zu sein. Vielen ist es bequemer, sich gegenseitig zuzustimmen, statt die Wahrheit auszusprechen.
Das ist jedoch keine echte Loyalität. Wahre Loyalität sagt immer die Wahrheit – in Liebe und Treue. Sie sagt: „Du bist mir so wichtig, dass ich nicht tatenlos zusehe, wie du in deinem falschen Verhalten oder deiner sündigen Haltung weitergehst. Denn das wird dir am Ende schaden.“
Deshalb brauchen wir unerschütterliche Loyalität: gegenüber Gott und untereinander. Eine Loyalität, die mutig genug ist, zu korrigieren, und liebevoll genug, es richtig zu tun.
Wie erfüllen wir Gottes Anspruch?
Der erste Schritt, um in Treue zu wachsen, ist die klare Anerkennung des biblischen Maßstabs. Wir müssen Überzeugungen entwickeln, die fest auf dem Wort Gottes ruhen und nicht auf unseren eigenen Vorstellungen.Wie tun wir das konkret?
• Erstens: Studieren Sie gezielt Bibelverse zum Thema Treue und Verlässlichkeit. Lesen Sie sie nicht nur, sondern lassen Sie sie in Ihr Herz hineinsprechen.
• Zweitens: Prüfen Sie Ihr eigenes Leben ehrlich. Sprechen Sie am besten auch mit Ihrem Ehepartner oder einem vertrauten Freund darüber.
Stellen Sie sich folgende Fragen: Bin ich wirklich absolut ehrlich? Können sich andere auf mich verlassen – auch wenn es mich etwas kostet? Kann Gott sich auf mich verlassen – selbst wenn es mich etwas kostet?
Denken Sie dabei an konkrete Situationen der letzten Wochen und Monate. Wo haben Sie Treue bewiesen? Und in welchen Bereichen müssen Sie noch deutlich wachsen?
• Drittens: Sehen Sie einen konkreten Lebensbereich, in dem mehr Treue gefragt ist? Dann machen Sie diesen Bereich zum Gegenstand Ihres Gebets und zum Ziel konkreter, praktischer Schritte.
Unser eigener Einsatz und die Kraft des heiligen Geistes wirken dabei zusammen. Wir können nicht aus eigener Kraft zu wirklich treuen Menschen werden – Treue gehört zur Frucht des heiligen Geistes (Galater 5,22-23). Gleichzeitig entwickelt sich diese Frucht nicht ohne unser Bemühen und unseren Gehorsam. Gottes Gnade und unser Handeln gehören immer zusammen.
Auch wenn die meisten von uns nicht bis in den Tod hinein Treue beweisen müssen, ruft Gott uns dazu auf, genau diese Haltung im Herzen zu tragen. Jesus sagt: „Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben“ (Offenbarung 2,10). Denken Sie immer wieder an diesen wunderbaren Lohn: Die Krone des Lebens steht für das ewige Leben bei Gott – die größte Belohnung für ein treues Leben.
Gott und einander treu bleiben
Wir alle schätzen Menschen, die sich als treu erwiesen haben – und Gott schätzt das noch ungleich mehr. Bei ihnen weiß man: Was sie sagen, das tun sie auch. Ihr Wort ist verlässlich.
Wenn sie versprechen anzurufen, tun sie es. Wenn sie einer Verabredung zusagen, sind sie pünktlich da. Solche treuen Freunde sind ein kostbares Geschenk.
Genau diese Art von Treue lobt Jesus im Gleichnis von den Talenten mit den wunderbaren Worten:
„Sehr gut, sagte sein Herr, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du hast dich in kleinen Dingen als zuverlässig erwiesen, darum werde ich dir auch Größeres anvertrauen. Komm zum Freudenfest deines Herrn!“ (Matthäus 25,21; Gute Nachricht Bibel).
Man könnte einwenden, dass sich die Treue in diesem Abschnitt vor allem auf Gott bezieht – und das ist richtig. Doch die Treue zu Gott schließt die Treue untereinander nicht aus, sondern mit ein. Jesus macht das im selben Kapitel unmissverständlich klar:
„Dann wird der König antworten: Ich versichere euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan“ (Matthäus 25,40; ebenda).
Dieser Grundsatz ist bei jeder biblischen Aussage über Treue entscheidend: Wer Gott treu ist, der erweist sich auch seinen Mitmenschen gegenüber als treu. Die beiden großen Gebote unterstreichen dies: Wir sollen Gott von ganzem Herzen lieben und unseren Nächsten wie uns selbst (Matthäus 22,37-40).
Gott selbst verlangt von uns, dass wir in allen unseren Beziehungen treu sind – in der Ehe, in Freundschaften, in der Gemeinde und am Arbeitsplatz. Wer ernsthaft danach strebt, in der Treue gegenüber Gott und den Menschen zu wachsen, darf sich auf die wunderbare Belohnung freuen, die ihm verheißen ist.
Wie von Jesus Christus gelehrt, werden wir durch die Treue in kleinen Dingen auf Großes vorbereitet. Mit der Unterstützung des heiligen Geistes können wir in dieser wertvollen Tugend reifen und eines Tages die Worte vernehmen: „Gut gemacht, du tüchtiger und treuer Diener.“
Auf die Treue Gottes vertrauen
Wir können kaum einen Aspekt des christlichen Lebens finden, der nicht auf der Treue Gottes fußt. Kein Wunder, dass der Psalmist voll Staunen ausruft:
„Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für; denn ich sage: Für ewig steht die Gnade fest; du gibst deiner Treue sicheren Grund im Himmel“ (Psalm 89,2-3; alle Hervorhebungen durch uns).
Selbst inmitten tiefster Klage über Gottes Gericht über Juda konnte Jeremia voller Hoffnung bezeugen: „Groß ist deine Treue, o Herr!“ (Klagelieder 3,23).
In der Bibel finden sich mehr als 60 Bibelstellen, die von der Treue Gottes sprechen. Es überrascht nicht, dass allein etwa 40 davon im Buch der Psalmen stehen. Gerade in diesem Buch wird deutlich, wie sehr das Volk Gottes in allen Kämpfen und Nöten von seiner Treue abhängig war.
Wir sind vollkommen auf Gottes Treue angewiesen – oft mehr, als uns bewusst ist. Sie trägt uns nicht nur in großen Krisen, sondern schon bei jedem einzelnen Atemzug. Gottes Treue ist die unsichtbare Grundlage unseres gesamten Lebens. Wir sind in vielerlei Hinsicht auf sie angewiesen:
• Für die Erlösung (1. Korinther 1,9).
• Für die Befreiung von Versuchungen (1. Korinther 10,13).
• Für die Heiligung (1. Thessalonicher 5,23-24).
• Für die Befreiung vom Leiden (1. Petrus 4,19).
• Für die Vergebung unserer Sünden (1. Johannes 1,9).
• Für das ewige Leben (Hebräer 10,23).
Eine bloße Untersuchung der über 60 Bibelstellen zur Treue Gottes würde diesem Thema noch nicht einmal annähernd gerecht. Die ganze Bibel ist durchzogen von diesem wunderbaren Thema – in Geboten, Verheißungen und unzähligen lebendigen Beispielen. Doch Gottes Treue beschränkt sich nicht auf das geschriebene Wort. Sie zeigt sich ganz real und persönlich in seinem täglichen Wirken in unserem Leben.
Was hat Jesus Christus seinen Jüngern – und uns – verheißen?
Was hat Christus seinen Jüngern als Hilfe für ihr Leben versprochen? Es war eine Verheißung, die viel besser ist als unsere menschliche Strohhalmtaktik!
Denen, an die Jesus seine Aufforderung zur Nachfolge richtete, sagte er: „Ich bin der Weg“ (Johannes 14,6; alle Hervorhebungen durch uns). Jesus war in der Tat der personifizierte Weg Gottes! Und auf dem Weg, den er uns vorausgegangen ist, hat er versprochen, seine Nachfolger zu begleiten:
„Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: den Geist der Wahrheit ... Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch“ (Johannes 14,16-18).
Eine Voraussetzung für diesen Beistand in unserem Leben ist unser Verzicht auf die symbolischen Strohhalme, mit deren Hilfe wir den einfachsten Weg finden möchten. Das ist eine Herausforderung für alle, die in Jesu Fußstapfen folgen wollen.
Der christliche Weg ist nicht breit und bequem, doch er führt zu dem lohnenswertesten Ziel hin, das es im Leben eines Menschen geben kann. Auf dieses Ziel sollen wir uns konzentrieren, nicht auf den manchmal unbequemen Weg dorthin!
Jesus hat uns einen starken Helfer, den heiligen Geist Gottes, versprochen. Manche haben den Geist Gottes wohl als mächtige, jedoch unpersönliche Kraft gesehen, die wenigen ausgewählten Menschen nur vorübergehend zur Verfügung stand. Jesus, das Wort in Menschengestalt bzw. die personifizierte Stimme Gottes, offenbarte hingegen unglaubliche Aspekte einer neuen Beziehung Gottes mit den Berufenen.
Was lehrte Jesus über den heiligen Geist?
• Der heilige Geist wird nicht nur zeitweise, sondern immer bei uns sein (Johannes 14,16).
• Der heilige Geist ist der Welt allgemeinen noch nicht gegeben, sondern steht denen zur Verfügung, die Gott beruft und die ihre Berufung annehmen (Johannes 14,17).
• Der heilige Geist wird nicht nur bei uns, sondern auch in uns sein (ebenda).
• Obwohl der heilige Geist keine dritte Person der Gottheit ist (lesen Sie dazu unsere Broschüre Ist Gott eine Dreieinigkeit?), lehrt Gott uns durch seinen Geist und erinnert uns auch an die Worte Christi (Johannes 14,26).
• Der heilige Geist wird „der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht“ (Johannes 16,8).
• Der heilige Geist führt uns in die Wahrheit und vermittelt uns sogar Einsicht in Ereignisse der Zukunft – d. h. prophetisches Verständnis (Johannes 16,13-14).
Zu Pfingsten im Jahr der Kreuzigung Jesu hielten seine gehorsamen Jünger das Fest, wie Gott es angeordnet hatte. Sie lebten in der Erwartung der Erfüllung dieser Verheißungen Jesu, und sie glaubten fest daran (Apostelgeschichte 1,12-14).
Sie vertrauten darauf, dass Jesus sein Wort halten würde. Sie hatten viel Zeit mit dem Sohn Gottes verbracht, der vom heiligen Geist erfüllt war. Sie hatten gesehen, wie der Geist Gottes vom Himmel auf ihn herabkam, auf das Wort, das Mensch geworden war und unter ihnen weilte (Johannes 1,14. 32).
Sie hatten manches mit ihm erlebt. Sie wussten, wie er – voll des heiligen Geistes (Lukas 4,1) – den Versuchungen Satans widerstand und sich dabei auf die Heilige Schrift berief, um seinem himmlischen Vater die Ehre zu geben: „Weg mit dir, Satan! denn es steht geschrieben: Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen“ (Matthäus 4,10).
Sie wussten, dass Jesus von Nazareth die Erfüllung der messianischen Prophezeiung Jesajas war: „Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn“ (Jesaja 11,2).
Die Jünger Jesu wussten nicht, was genau bei der Erfüllung der Verheißungen ihres Herrn geschehen würde, aber sie vertrauten auf Jesu Zusage, dass ihnen der heilige Geist ein Tröster und ihnen bei den Herausforderungen des christlichen Lebens ein Beistand sein würde.