Würden Sie wie Polykarp handeln?

Ein langjähriger Ältester, der der apostolischen Lehre und Praxis einschließlich der Feste Gottes treu blieb, wird vor die Wahl gestellt: Christus verleugnen oder sterben. Wie würden Sie sich entscheiden?

Von Darris McNeely

Die Schreie der Menge im römischen Theater von Smyrna wurden immer lauter und verlangten den Tod weiterer Christen. „Tötet die Atheisten!“, riefen sie und meinten die Verleugner der römischen Götter. Viele Christen waren bereits während der blutigen Spiele getötet worden.

„Lasst uns Polykarp suchen“, meinten sie, denn dieser Mann war, wie sie ihn später nannten, „der Zerstörer unserer Götter, der viele gelehrt hat, ihnen weder zu opfern noch sie anzubeten“.

Nach einigen Tagen wurde Polykarp aufgespürt. Er wurde vor den römischen Magistraten ins Amphitheater gebracht. Während die Menge sein Blut forderte, drängte ihn der Prokonsul, auf den Geist Caesars zu schwören und Christus zu verfluchen: „Verleugne deinen Glauben, und ich lasse dich frei.“

Polykarp weigerte sich und sagte: „Sechsundachtzig Jahre bin ich sein Diener gewesen. Wie kann ich da meinen König lästern, der mich gerettet hat?“ Der Druck wurde immer stärker. Der Richter drohte mit dem Tod durch wilde Tiere oder Feuer und versprach erneut die Freilassung, wenn Polykarp seinen Glauben widerrufen würde.

Es war ein Moment höchster Prüfung für diesen alten Mann, der im zweiten Jahrhundert n. Chr. ein führender Ältester der Kirche Gottes in der Provinz Asien (der heutigen Westtürkei) war. Als Schüler des Apostels Johannes hatte er der Gemeinde seiner Region die Lehre Christi eingeschärft. Polykarp wusste als engagierter Prediger, dass dieser Moment der Prüfung und Bewährung seines Glaubens kommen würde.

Schauen wir uns diesen Mann und sein Umfeld genauer an und blicken wir dann auf die Ereignisse jenes Tages zurück – unter Berücksichtigung seiner letzten Antwort und der Frage, wie unsere eigene Entschlossenheit aussehen muss.

Eine Zeit der Prüfungen

Polykarp lebte in der Zeit nach den ersten Aposteln, als die Lehren und Praktiken, die Jesus der Urkirche verkündet hatte, verfälscht und verändert wurden. Die Kirche war in dieser Zeit großen inneren Spannungen ausgesetzt. Es war auch die Zeit der Märtyrer, die einem starken Druck von außerhalb der Kirche ausgesetzt waren. Die römischen Behörden gingen gegen diese Abweichler vor, weil sie sich weigerten, auch nur symbolisch an der Kaiserverehrung teilzunehmen, die als Zeichen der Treue zum Staat angesehen wurde.

Jahrzehnte zuvor hatte Jesus in der Offenbarung den Apostel Johannes beauftragt, eine Reihe von Briefen an die sieben Gemeinden in Asien, darunter auch Smyrna, zu schreiben. Jeder Brief war auf den Ort und den geistlichen Zustand der Empfänger zugeschnitten (obwohl er auch für die Kirche zu allen Zeiten bestimmt war).

Die Botschaft Christi an die Gemeinde in Smyrna, wo Polykarp die Funktion eines Bischofs innehatte, ist in Offenbarung 2, Verse 8-11 zu finden. Sie sollte ihr helfen, eine Zeit intensiver Prüfungen und des Martyriums zu überstehen. Indem Jesus sich hier als „der Erste und der Letzte..., der tot war und wieder lebt“ (Gute Nachricht Bibel) bezeichnet, versichert er seinen Jüngern, dass er die Geschichte von Anfang bis Ende beherrscht und dass seine Herrschaft sich sogar über Tod und Leben erstreckt. So wie er gelitten hat, gestorben und zum ewigen Leben auferstanden ist, so wird es auch seinen Nachfolgern ergehen.

In der Botschaft ist die Rede vom Widerstand derer, die behaupteten, Juden zu sein, es aber in Wirklichkeit nicht waren. Das galt wahrscheinlich auf mehreren Ebenen: Nicht nur für den jüdischen Widerstand, von denen einige sogar mit den römischen Behörden zusammenarbeiteten, sondern auch für falsche Christen. (Paulus bezeichnet die wahren Christen in Römer 2, Vers 29 als „inwendige“ oder „geistliche“ Juden.)

Die ersten Jünger waren Juden, aber ihr Glaube an den auferstandenen Christus brachte sie in Konflikt mit dem vorherrschenden jüdischen Glauben. Die Aufnahme von Nichtjuden in die Kirche verschlechterte die Beziehungen.

Als die Kluft zum Judentum immer größer wurde, sahen sich die Christen zunehmender Feindseligkeit von Seiten derer ausgesetzt, mit denen sie so viel gemeinsam hatten. Einige der Juden von Smyrna gehörten zu denen, die den Tod von Polykarp forderten.

In der Zwischenzeit begannen immer mehr Christen aufgrund von Verfolgungen, alles „Jüdische“ aufzugeben. Die Urgemeinde hielt den Siebenten-Tags-Sabbat Gottes. Ihre Mitglieder hielten das Passah und andere Feste, die Gott Israel gegeben hatte. Polykarp hielt auch das Passah und die anderen biblischen Feste. Er unterwies die Gemeinden in Asien, dies ebenfalls zu tun.

Aber die Irrlehren gewannen an Boden und wurden von immer mehr Christen in der römischen Welt angenommen. Jesus sagt in seiner Botschaft, dass diejenigen, die treue Christen angriffen und für sich in Anspruch nahmen, das wahre Bundesvolk Gottes zu sein, in Wirklichkeit Teil einer anderen Gemeinschaft waren – der Synagoge oder der Versammlung Satans.

Die Verfolgung der Kirche kann von außen oder von innen kommen. Die wahre Quelle der Verfolgung wird an dieser Stelle identifiziert. Es ist Satan. Die Kirche kämpft immer noch gegen die geistliche Bosheit, die in der Höhe herrscht (Epheser 6,12). Jesus möchte, dass seine Jünger das nicht vergessen. Er hat Satan besiegt, und durch ihn können auch wir die Angriffe Satans auf diejenigen, die der biblischen Wahrheit folgen, besiegen.

Die Quartodezimaner-Kontroverse

Eine der großen Kontroversen unter den Christen jener Zeit war die Frage, ob Polykarp und andere daran festhalten sollten, das Passah am biblischen Datum des 14. des hebräischen Monats Nisan zu feiern, der im Frühling der nördlichen Hemisphäre liegt. Die römische Kirche und andere westliche Gemeinschaften begannen, das Fest an dem Tag zu feiern, der später Ostersonntag genannt wurde.

Polykarp reiste nach Rom, um die Angelegenheit mit dem römischen Bischof Anicetus zu besprechen, aber der Streit blieb ungelöst:

„Denn weder konnte Anicetus Polykarp überreden, auf die Einhaltung [nach seiner Überzeugung] zu verzichten, da diese Dinge von Johannes, dem Jünger unseres Herrn, und von anderen Aposteln, mit denen er bekannt war, immer [so] eingehalten worden waren. Auch Polykarp konnte Anicetus nicht überreden, [das Fest auf seine Weise] zu halten, denn er behauptete, er müsse sich an den Brauch der Presbyter [oder Ältesten] halten, die ihm [in Rom] vorausgegangen waren“ (Irenäus, Fragments 3, Ante-Nicene Fathers, newadvent.org).

Während sie sich um Frieden zwischen den Gemeinden bemühten, vertieften sich die Gräben. Einige Jahrzehnte später spitzte sich die Situation zu, als ein römischer Bischof versuchte, die Ostkirchen deswegen zu exkommunizieren.

In der Geschichte werden diejenigen, die das Passah und das Fest der Ungesäuerten Brote nach der seit der apostolischen Zeit überlieferten Lehre feierten, als Quartodezimaner („Vierzehner“, nach dem 14. Nisan) bezeichnet. In seinem Buch The Early Church fasst Henry Chadwick die Problematik zusammen:

„Es kann jedoch keinen Zweifel daran geben, dass die Quartodezimaner mit ihrer Sichtweise darin recht hatten, den ältesten und dazu noch apostolischen Brauch beibehalten zu haben. Sie waren zu Ketzern geworden, weil sie einfach nicht mit der Zeit mitgingen“ (1985, Seite 85).

Christen, die diese Feste heute feiern, können sicher sein, dass sie an den von Gott durch Israel und die Apostel verordneten Bräuchen festhalten.

Eine Geschichte für die Ewigkeit

Vor diesem Hintergrund kehren wir zu Polykarp zurück, der vor dem römischen Prokonsul steht und unter Androhung der Hinrichtung aufgefordert wird, seinem christlichen Glauben abzuschwören.

Diese Glaubensgeschichte wird in einem frühen Brief der Gemeinde von Smyrna, dem „Martyrium des Polykarp“, ausführlich geschildert – und auch in der Kirchengeschichte des Eusebius; beide sind online abrufbar.

Angesichts der Gefahr, lebendig verbrannt zu werden, sagte Polykarp: „Ihr droht mit Feuer, das ein wenig brennt und nach kurzer Zeit gelöscht wird, denn ihr kennt das Feuer des zukünftigen Gerichts und der ewigen Strafe nicht, das für die Gottlosen bestimmt ist. Aber warum zögert ihr? Kommt, tut, was ihr wollt.“

Er stand also fest zu seinen Überzeugungen. Rasch wurde Holz gesammelt und Polykarp auf den Scheiterhaufen gebunden. Mit seinem letzten Gebet, in dem er von seiner Auferstehung sprach, wurde das Feuer entzündet.

Doch seltsamerweise blähte es sich um ihn herum auf, ohne ihn zu verbrennen. Daraufhin wurde befohlen, ihn durch die Flammen hindurch zu erstechen, woraufhin er verblutete und das Feuer auf seltsame Weise erlosch. Als einige Unruhestifter darauf drängten, wurde sein toter Körper erneut verbrannt, und diesmal gelang es.

Die Geschichte des Polykarp ist eine Geschichte für die Ewigkeit. Sie erzählt vom Glauben in einer Zeit, in der Gläubige buchstäblich unter Feuer standen. Aus dieser Geschichte können wir heute lernen. Heute wird der Glaube an die Bibel von vielen Seiten angegriffen. Die säkulare Bibelfeindlichkeit nimmt zu.

Und für diejenigen, die ein authentisches, biblisches Christentum suchen, wird es noch schwieriger. Auf seiner ersten Reise zum Predigen des Evangeliums wurde der Apostel Paulus in Lystra gesteinigt und für tot gehalten. Er stand aber auf und sagte den Gläubigen in der nächsten Stadt: „Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen“ (Apostelgeschichte 14,22).

Würden Sie Ihren Glauben verteidigen, wenn er angegriffen würde, wie es Polykarp, Paulus und andere taten? Es waren nicht nur die heidnischen Römer, die sich gegen sie stellten, sondern auch diejenigen, mit denen sie etwas gemeinsam hatten – die jüdische Gemeinschaft. Und mit der Zeit wurden die wenigen, die an der Wahrheit festhielten, von den zunehmenden Irrlehren in der Kirche überwältigt und verfolgt.

Was braucht es, um einem Mann des Glaubens wie Polykarp beizustehen? Man benötigt einen Glauben, der sich auf die Wahrheit gründet, die den großen Plan Gottes für die Erlösung der Menschen offenbart. Die Feste Gottes, an denen auch Polykarp festhielt, erinnern an die einzelnen Schritte dieses Plans. Dieses Verständnis bietet etwas, wofür es sich lohnt, einzustehen und Opfer zu bringen, wie es Polykarp und seine Mitstreiter taten!