Was ist die Kirche Gottes?

Viele Menschen sehen die Bedeutung des Wortes „Kirche“ im Sinne eines Baus mit seinen Türmen und Kreuzen, wie bei mittelalterlichen Kathedralen üblich.

Von Peter Eddington

Jesus Christus gründete seine Kirche und gab ihr einen Auftrag. Die Heilige Schrift zeigt uns, dass Jesus seine Kirche als herzliche und liebevolle Gemeinschaft seiner treuen Jünger vorsah, eine Quelle der Kraft und des Lebensinhaltes für die Gläubigen.

In ihrem täglichen Leben spielt für die meisten Menschen die Kirche heute jedoch keine bedeutende Rolle mehr. Vielen kommt das Konzept Kirche altmodisch vor; für manche hat das Wort Kirche sogar einen schlechten Beigeschmack.

Bei diesem Wort denken andere an einen großartigen Bau auf einem bekannten Platz mitten in der Stadt, wie z. B. der Dom in Köln oder die Frauenkirche in München. Für sie bedeutet Kirche ein Gebäude, in dem man sich zum Gottesdienst versammelt.

Ein weiteres Beispiel dieser Art ist die Kathedrale Notre-Dame de Paris. Mit dem Bau dieser Kirche begann man 1163, abgeschlossen wurde er 1345, 182 Jahre später. Das Lexikon Encyclopedia Britannica führt dazu aus, dass der Standort der Kathedrale „an einer Stelle ist, die die Pariser schon immer der Ausübung religiöser Riten vorbehalten haben“, und dass die Kathedrale „auf den Ruinen zweier früherer Kirchen aufgebaut wurde, deren Vorläufer ein gallisch-römischer Tempel gewesen ist, der dem Jupiter geweiht war“ (Stichwort „Paris“ bzw. „Notre-Dame de Paris“).

Dieser Bericht ist nicht ungewöhnlich, denn in der Geschichte des Menschen schrieb man Plätzen und Gebäuden, wo man Götter anbetete und sich deshalb diesen Göttern dort besonders nahe wähnte, eine heilige Bedeutung zu. Kirchengebäude, Kathedralen, Tempel und Altäre standen von alters her im Mittelpunkt der religiösen Anbetung.

Wie die Konfession, die sie vertritt, hat die Kathedrale Notre-Dame in den vergangenen Jahrhunderten Rückschläge erlitten. Dazu die Encyclopedia Britannica: „Während der Französischen Revolution beschädigt, wurde die Kirche anschließend an einen Kaufmann versteigert, der mit Baumaterialien handelte. Napoleon kam noch rechtzeitig an die Macht, um den Verkauf zu annullieren, und er ordnete an, den staatlichen Bau für seine Krönung zum Kaiser 1804 zu renovieren“ (Stichwort „Notre-Dame de Paris“). Und im April 2019 zerstörten Flammen große Teile von Notre Dame, doch der Wiederaufbau ist in vollem Gange. Die Wiedereröffnung der restaurierten Kirche soll in diesem Jahr stattfinden.

Doch schwerwiegender als der Brand von Notre Dame ist der zunehmende Unglaube der Neuzeit als Beispiel für den Schaden, den Kirchengebäude in Europa „erlitten“ haben. Schrumpfende Besucherzahlen bei Gottesdiensten haben in einigen Fällen sogar zur Schließung von Kirchengebäuden geführt.

Was macht man mit einer Kirche, die von so wenig Menschen aufgesucht wird, dass sich die Wartungskosten nicht mehr rechtfertigen lassen? Ist eine Kirche, die nicht mehr für die Anbetung Gottes benutzt wird, immer noch eine Kirche? Wichtiger noch: Was bedeutet das Wort Kirche im biblischen Sprachgebrauch?

Die Kirche Jesu Christi ist kein Gebäude

Im Neuen Testament ist die Kirche niemals ein Gebäude, sondern eine Versammlung von Menschen. Das zugrunde liegende griechische Wort ist ekklesia mit der Bedeutung „herausberufen“ bzw. „die Herausberufenen“. (Lesen Sie bitte dazu den Rahmenartikel auf Seite 10, „Gottes ekklesia: die ,Herausberufenen‘ “.)

Mit ekklesia ist niemals ein Gebäude gemeint, sondern Menschen – diejenigen, die Gott aus der weltlichen Gesellschaft zu seinem Dienst „herausberuft“. Die Kirche in der Bibel ist kein kaltes, steinernes Gebäude, sondern eine Gruppe herzlicher und liebevoller Menschen, die Gott durch seine Berufung zusammengeführt hat.

Ekklesia kann sich auf die Gläubigen als Gruppe in einer Stadt oder Region beziehen. Im übergeordneten Sinne können damit auch alle Gläubigen gemeint sein, die Gott berufen hat. Nach dem neutestamentlichen Gebrauch ist also ein Gebäude, in dem sich keine Gläubigen aufhalten, keine Kirche – die Kirche ist kein Gebäude im biblischen Sinne.

Stattdessen betont die Bibel die Gemeinschaft der Gläubigen, in die sie durch Gottes Berufung hineingelangen. Daher spielt es eigentlich keine Rolle, wo sich diese Gläubigen versammeln – sie sind Gottes Gemeinde. Paulus grüßte z. B. die Gemeinde (= ekklesia), die sich in dem Haus von Priska und Aquila in Rom traf (Römer 16,3-5).

Was zeichnet die Menschen aus, die Gott beruft? Wie setzt Gott die Kirche ein, um sein Vorhaben zu verfolgen? Welche Verantwortung haben diejenigen, die Teil der Kirche sind? Wie wird man zum Teil der Kirche?

Als Jesus sagte, er wolle seine Gemeinde bauen und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen (Matthäus 16,18), meinte er damit, dass die Kirche niemals aussterben wird. Wie kann man heute bei den vielen Konfessionen und Glaubensgemeinschaften die Gemeinde, die Jesus gründete, erkennen bzw. finden?

Ein auserwähltes Volk

Von Anfang an war es das Vorhaben Gottes, allen Menschen die Teilnahme an seinem Reich zu ermöglichen. Seitdem er Adam und Eva erschaffen hat, arbeitet Gott mit den Menschen auf unterschiedliche Weise, aber immer mit demselben Ziel.

Gott berief vor dem Auftreten Christi nur wenige Menschen aus ihrer Gesellschaft heraus, die ihm geistlich dienen und sein Werk tun sollten. Viele von diesen Menschen werden namentlich in Hebräer, Kapitel 11 erwähnt, in dem das Thema Glaube behandelt wird.

Gott etablierte als Teil seines Gesamtvorhabens mit den Menschen die physische Nation Israel. Die Nachkommen Abrahams und seines Enkels Jakob bildeten diese Nation, die im Neuen Testament Gottes „Gemeinde in der Wüste“ genannt wird (Apostelgeschichte 7,38).

Gottes Vorgehensweise mit dem alttestamentlichen Israel liefert uns wichtige Hintergrundinformationen über die Gründung der Kirche im Neuen Testament. Gottes Arbeitsweise mit den Menschen war nicht immer die gleiche: „Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat“ (Hebräer 1,1-2).

Im Alten Testament sprach Gott direkt mit Adam und Eva und einigen anderen Menschen wie Abraham und Mose. In den meisten Fällen hat er jedoch seine Botschaft auf andere Weise übermittelt, wie z. B. durch seine Propheten und Priester und später durch sein geschriebenes Wort, die Bibel. Die Botschaft war aber immer auf seinen Plan mit den Menschen abgestimmt, der gleichbleibend ist.

Gottes Arbeit mit seinem Volk begann mit dem Patriarchen Abraham: „Und der Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden“ (1. Mose 12,1-3; alle Hervorhebungen durch uns).

Gott wählte einen Mann als Vorbild aus, der treu und gehorsam war. Abraham gab uns ein wunderbares Beispiel des Gehorsams, als er sein Heimatland auf Gottes Geheiß hin verließ, ohne zu wissen, was das endgültige Ziel seiner Reise war (Hebräer 11,8).

Er glaubte, dass Gott seine Verheißungen wahr machen würde, obwohl die physischen Umstände dagegen sprachen. Er war sogar bereit, seinen eigenen Sohn zu opfern (1. Mose 22), und versinnbildlichte damit Gottes spätere Aufopferung seines Sohnes Jesus.

Damit wurde er zum Vorbild des Glaubens für alle, die Gott beruft: „Denn was sagt die Schrift? Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden ... So sollte er ein Vater werden aller, die glauben ..., damit auch ihnen der Glaube gerechnet werde zur Gerechtigkeit“ (Römer 4,3. 11).

Später sonderte Gott Abrahams Nachkommen, das Volk Israel, aus und schloss einen Bund mit ihnen, den wir den Alten Bund nennen. Israel sollte Gottes Lebensweise vorleben und so den Nachbarvölkern zeigen, dass es Segen bringt, dem wahren Gott zu dienen (5. Mose 4,5-8).

Doch die Israeliten erfüllten nicht den Auftrag, den Gott ihnen gab. Israel war kein gutes Vorbild für seine Nachbarn, denn es hielt nicht den Bund, den es mit Gott geschlossen hatte. Sein Verhalten veranlasste die anderen Völker, Gott zu lästern (Römer 2,24).

Ohne den heiligen Geist war es den Israeliten nicht möglich, Gott von Herzen zu dienen. „Ach dass sie ein solches Herz hätten, mich zu fürchten und zu halten alle meine Gebote ihr Leben lang, auf dass es ihnen und ihren Kindern wohlginge ewiglich!“, sagte Gott über sie (5. Mose 5,29).

Die Israeliten sind vorübergehend geistlich blind, und in dieser Zeit beruft Gott Menschen aus anderen Nationen (Römer 11,7-12). Das bedeutet jedoch nicht, dass Gott Israel seinen Rücken zugekehrt hat. Im Gegenteil: Paulus schreibt, dass eine Zeit kommt, wenn Gott ganz Israel berufen wird (Römer 11,25-27).

Christi Opfer macht es möglich, dass der heilige Geist allen Menschen aus allen Völkern und Nationen zur Verfügung stehen wird. Gottes endgültiges Ziel ist die Rettung aller Menschen, Israeliten sowie Nichtisraeliten.

Heute gilt diese Verheißung Gottes aber nur den Menschen, die Gott zu seinem auserwählten geistlichen Volk beruft. Nach dem Scheitern des Alten Bundes war die Berufung dieses Volkes der nächste Schritt in Gottes Plan – die Gründung der Kirche.

Die neutestamentliche Kirche wird gegründet

Mit dem Auftreten des verheißenen Messias, Jesus von Nazareth, ging der Vorhang für eine neue Entwicklung in Gottes Heilsplan auf. Nun arbeitet Gott mit einer Gruppe von Menschen – die Kirche –, die durch den heiligen Geist verwandelt wird. Gott erwählt diese Menschen nicht nur, dass sie die Rettung für sich selbst erlangen, sondern auch, um später anderen Menschen zur Zeit ihrer Berufung zur Seite zu stehen.

Das Fundament der Kirche – das einzig mögliche Fundament – ist Jesus selbst (1. Korinther 3,11). Aber Jesus wirkt durch Menschen, und deshalb ist die Gemeinde Jesu auch auf seinen Aposteln aufgebaut:

„So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist“ (Epheser 2,19-22).

Jesus bildete seine Jünger – seine Schüler – 3½ Jahre lang aus, damit sie seine Boten (= Apostel) sein konnten. So sind Jesu Apostel Teil der Grundlage der Kirche. Die apostolischen Bücher des Neuen Testamentes sind nach wie vor eine Quelle der Lehre für die Kirche, ebenso die Schriften der alttestamentlichen Propheten, die ebenfalls zur Grundlage der Kirche gehören (vgl. dazu 2. Petrus 3,2).

Nach Jesu Tod und Auferstehung war es nun so weit. Zu Pfingsten, 50 Tage nachdem Gott, der Vater, Jesus nach seiner Auferstehung als Schwingopfer angenommen hatte, wurde der heilige Geist auf die treuen Jünger ausgegossen und damit die Kirche Gottes geboren.

„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie [Jesu Jünger] alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen“ (Apostelgeschichte 2,1-4).

Wunder und Zeichen kennzeichneten die Gründung der neutestamentlichen Kirche, welche durch die Ausgießung des heiligen Geistes erfolgte. Dadurch verschaffte Gott diesem Ereignis große Aufmerksamkeit, womit er viele Menschen an einem Tag berufen und so eine stabile Grundlage für die Arbeit der Kirche schaffen konnte.

Durch die inspirierte Predigt von Petrus berief Gott viele zur Reue, und die Jünger tauften sie. Reue und die Taufe waren die Voraussetzungen für den Empfang der Gabe Gottes des heiligen Geistes. „Petrus sagte zu ihnen: Kehrt um, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des heiligen Geistes empfangen“ (Apostelgeschichte 2,38; Zürcher Bibel).

Durch den Empfang des heiligen Geistes wurden die Menschen zur Kirche hinzugefügt. Ohne den heiligen Geist sind wir nicht Teil der Gemeinde Gottes: „Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen. Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, wenn denn Gottes Geist in euch wohnt. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein“ (Römer 8,8-9).

Gott berief viele zur Reue, und die Jünger tauften sie. Zu Pfingsten waren es ca. 3000 Menschen, die getauft wurden (Apostelgeschichte 2,41). Am Anfang wuchs die Gemeinde schnell. Die Apostelgeschichte beschreibt in den späteren Jahren die Entstehung weiterer Gemeinden überall dort im Römischen Reich, wo die Apostel das Evangelium predigten, und die Verfolgung, die mit der Zeit einsetzte.

Jesus sagte voraus, dass seine Gemeinde klein bleiben sollte in einer Welt, deren Haltung gegenüber der Gemeinde gelegentlich sogar voller Hass sein wird. „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben“ (Lukas 12,32). Heute existiert die Kirche als kleine aber tätige und treue Gemeinschaft, die sich um die Verbreitung des Evangeliums vom kommenden Reich Gottes in einer zunehmend ungläubigen Welt bemüht.

Wozu die Kirche?

Für viele Menschen ist die Kirche eine Art gesellschaftlicher Verein oder aber eine Institution, der man um des eigenen Ansehens in der Gesellschaft willen angehören muss. Andere wollen zur Kirche gehören, damit sie kirchlich getraut werden oder bei ihrem Tod von einem Geistlichen beerdigt werden können. Gott hat jedoch eine viel bedeutendere Aufgabe für seine Herausberufenen vorgesehen. Wir können heute Anteil an dem wichtigsten Auftrag unserer Zeit haben!

Jesus beauftragte seine Gemeinde mit der Verkündigung des Evangeliums. „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie ... und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28,19-20).

Durch dieses Predigen wirkt Gott und beruft neue Mitglieder zur Kirche, die dann auch ihren Anteil an der Verbreitung der guten Nachricht über das kommende Reich Gottes haben. Das wahre Evangelium vom Reich Gottes wird heute mittels moderner Medien wie Fernsehen, Rundfunk und Internet gepredigt.

Vor der Wiederkunft Jesu wird das Evangelium weltweit gepredigt werden: „Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen“ (Matthäus 24,14).

Die Berufenen ergänzen die öffentliche Verkündigung des Evangeliums durch ihr persönliches Beispiel der christlichen Lebensführung. Ihr persönliches Beispiel spielt eine wichtige Rolle bei dem Auftrag, den Jesus seiner Gemeinde gegeben hat. „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Matthäus 5,14-16).

Damit die Kirche ihren Auftrag ausführen kann, hat Gott sie als Einheit organisiert. Paulus verglich die Kirche mit einem menschlichen Leib und seinen Gliedern, die alle zum Funktionieren des Leibes beitragen (1. Korinther 12). Paulus setzt die Gemeinde dem Leib Christi gleich und zeigt damit, dass die Kirche Jesu und sein Leib ein und dasselbe sind (Kolosser 1,24).

Durch den Geist Gottes werden wir zu Gliedern des Leibes Christi. Jedes Glied an diesem geistlichen Leibe trägt durch seine Funktion im Einzelnen zum Funktionieren des Leibes insgesamt bei. Es ist Gott, der unsere Funk tion im Leibe bestimmt, und jede Funktion ist von Gott gewollt und notwendig. „In einem jeden [Glied des Leibes] offenbart sich der Geist zum Nutzen aller ... Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist und teilt einem jeden das Seine zu, wie er will“ (1. Korinther 12,7. 11).

Woran erkennt man die Kirche Gottes?

Jesus versprach, dass seine Gemeinde nicht aussterben wird (Matthäus 16,18). Heute gibt es sehr viele Konfessionen und Glaubensgemeinschaften, die zum Teil widersprüchliche Lehren und eine unterschiedliche Glaubensausübung praktizieren und trotzdem behaupten, Teil der von Jesus gegründeten Kirche zu sein.

Wie soll man darunter die Gemeinde Jesu Christi finden? Was sind die Merkmale der Kirche Gottes? Was lehrt sie? Was tut sie?

In einem Sinne hat sich seit der Gründung der Kirche nichts geändert. Nach wie vor beruft Gott Menschen aus der weltlichen Gesellschaft heraus (Johannes 6,44; Offenbarung 18,4), um gemeinsam ein Werk zu tun. Genauso, wie Petrus vor fast 2000 Jahren seine Zuhörer zur Umkehr und Taufe aufrief, ermahnt die Kirche Gottes heute alle, die ihre Botschaft vernehmen, den Ernst ihres sündhaften Wandels vor Gott zu erkennen und einen grundlegenden Richtungswechsel in ihrer Lebensführung vorzunehmen.

Wie damals bei der Gründung der Kirche zu Pfingsten ist die Taufe durch vollständiges Untertauchen ein äußeres Zeichen des Glaubens des reumütigen Christen an das Sühneopfer Christi zur Vergebung der Sünde. Die Taufe versinnbildlicht den Tod des alten Menschen und den Anfang eines neues Lebens, das dem Willen Gottes gewidmet ist. Durch die Kraft des heiligen Geistes, den Gott dem Christen bei der Taufe schenkt, verändert sich nach und nach die innere Geisteshaltung zur Gerechtigkeit hin.

Das heißt, die Kirche Gottes erkennt man an der unveränderlichen Botschaft der Abkehr von der Sünde. Was ist Sünde? Sie ist die Übertretung von Gottes heiligem, gerechtem Gesetz. „Wer sündigt, lehnt sich gegen Gott und seine Gebote auf, denn sündigen heißt: Gottes Gebote missachten“ (1. Johannes 3,4; „Hoffnung für alle“-Bibel).

Gottes Kirche lehrt also heute konsequent, dass es keinen „Freipass“ zum Sündigen gibt. „Was sollen wir nun sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde? Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde leben wollen, der wir doch gestorben sind?“ (Römer 6,1-2).

Wer hingegen lehrt, dass wir nach der Taufe nicht mehr sündigen, das Gesetz nicht mehr halten müssen oder dass Christus das Gesetz für uns hält, ist kein Teil der Kirche Gottes. An die Christen seiner Zeit schrieb der Apostel Johannes: „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns“ (1. Johannes 1,8-10).

Christus warnte uns vor denen, die sich als wahre Lehrer ausgeben und vielleicht sogar die richtigen Worte sprechen, deren wahre Geisteshaltung und Handlungen hingegen gottlos sind (Matthäus 7,15-23). Eigentlich läuft ihre Lehre auf die Gesetzlosigkeit hinaus („Übeltäter“) – die Ablehnung des Gehorsams gegenüber Gott. Christus betonte, dass er diejenigen abweisen wird, die sein Gesetz verwerfen.

Gottes Kirche setzt sich aus Menschen mit ihren Schwächen zusammen. Vor jedem Mitglied der Kirche liegt ein langer Weg, der zur Vervollkommnung in Christus führt. Die Worte des Paulus an die Gemeinde zu Korinth zeigen uns, dass die Mitglieder der Kirche große menschliche Schwächen haben können, die es zu überwinden gilt.

Wir können jedoch dankbar sein, dass Gott aufs Herz schaut (1. Samuel 16,7). Wahre Christen bereuen jedes Mal, wenn sie ihre Schwächen erkennen. Sie vergeben ihren Glaubensgenossen und unterstützen sich gegenseitig in ihrem Bemühen, die geistliche Reife in Christus zu erlangen (Galater 6,1-2).

Auf der anderen Seite können sie nicht in willkürlicher und wissentlicher Ablehnung der Wege Gottes weiterhin die Sünde praktizieren: „Hieran sind offenbar die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels: Jeder, der nicht Gerechtigkeit tut, ist nicht aus Gott, und wer nicht seinen Bruder liebt“ (1. Johannes 3,10).

Gottes Geist ist die Kraft, die es möglich macht, dass in dem neuen Christen nach und nach die selbstlosen Charaktereigenschaften Gottes entstehen können. Ähnlich wie bei der Frucht am Weinstock zeigen sich diese göttlichen Eigenschaften nicht sofort nach der Taufe, sondern entwickeln sich über die Zeit bei der christlichen Lebensführung.

Nur derjenige, der willens ist, dem Beispiel der ersten Christen zu folgen, indem er Gottes Gebote hält und so an dem Glauben, der den ersten Christen überliefert wurde, festhält, kann Teil der wahren Kirche Gottes sein. Dazu gehört das gemeinsame Anbeten Gottes als Gemeinde an den Tagen, die Gott in der Bibel geboten hat und die Jesus und die Apostel gehalten haben.

Die Bibel sagt klar aus, dass Jesus, Paulus und die Gemeinde sich regelmäßig am Sabbat versammelten und das vierte Gebot hielten (2. Mose 20,8-11; Markus 6,2; Lukas 4,16. 31-32; 13,10; Apostelgeschichte 13,14-44; 17,1-3; 18,4).

Diesem Beispiel und dem Gebot Gottes folgend treffen sich die Mitglieder der wahren Kirche Gottes nach wie vor am Sabbat, um ihren Schöpfer anzubeten, mehr über seine Wege zu erfahren und Gemeinschaft miteinander zu pflegen. Die Dringlichkeit der Versammlung wächst, je näher der Termin für die Rückkehr Christi rückt (Hebräer 10,24-25).

Darüber hinaus halten die Mitglieder der Kirche heute die anderen gebotenen Feste Gottes, wie Jesus und die frühe Kirche es taten. Die gebotenen Feste der Bibel sind eine jährliche Erinnerung an Gottes Heilsplan für die Menschen.

Sie finden mehr Informationen über die Kirche Gottes in unserer kostenlosen Broschüre Die Kirche Jesu Christi: Wahrheit und Fälschung, die wir Ihnen auf Anfrage gerne zusenden.

Gottes ekklesia: die „Herausberufenen“

Das griechische Wort ekklesia, das im Neuen Testament die von Gott Berufenen kennzeichnet, wird in deutschen Bibelübersetzungen entweder mit „Kirche“ oder „Gemeinde“ wiedergegeben (Matthäus 16,18; vgl. dazu die Lutherbibel, die Einheitsübersetzung, die Zürcher Bibel und die Gute Nachricht Bibel).

Bereits vor der Entstehung der christlichen Gemeinde war der Begriff ekklesia geläufig. Seine vorchristliche Verwendung vermittelt Einsichten in seine Bedeutung in Bezug auf die Kirche des Neuen Testamentes.

Ekklesia mit seiner Bedeutung „die Herausberufenen“ bzw. „die Zusammenberufenen“ wurde gewöhnlich benutzt, um eine einberufene Bürgerversammlung einer griechischen Stadt zu kennzeichnen. In diesem Sinne kommt ekklesia in Apostelgeschichte 19, Vers 32 bzw. 39 vor. Solchen Bürgern war ihr Sonderstatus gegenüber Sklaven und anderen, die kein Bürgerrecht besaßen, sehr wohl bewusst. Ihre Versammlungen dienten der Klärung von Angelegenheiten des allgemeinen Interesses und wurden gewöhnlich durch einen Herold angekündigt.

Mit der Bezeichnung ekklesia verstanden sich die ersten Christen als die von Gott „Herausberufenen“, die in Jesus Christus einen besonderen Status genossen und zu einem besonderen Zweck berufen waren (Epheser 2,19). Darüber hinaus kommt das Wort ekklesia in der griechischen Übersetzung des Alten Testamentes mehr als 100-mal vor. Die ersten Christen waren in der Mehrheit Juden, die diese griechische Übersetzung kannten. Ihre Selbstbezeichnung mit einem Wort, mit dem das Volk Gottes im griechischen Alten Testament gemeint war, zeugt von ihrem Verständnis der Kontinuität zwischen dem Alten und Neuen Testament.

Die ersten Christen sahen sich also als das Volk des Gottes, der sich im Alten Testament offenbart hatte (Hebräer 1,1-2). Sie sahen sich auch als die wahren Kinder Israels (Römer 2,28-29) mit Abraham als ihrem Vater (Römer 4,1-25) und als das Volk des Neuen Bundes, das die Propheten des Alten Testamentes vorausgesagt hatten (Hebräer 8,1-13).

Vor dem Hintergrund seiner gewöhnlichen Bedeutung in der griechischen Welt des 1. Jahrhunderts wird das Wort ekklesia im Neuen Testament in Bezug auf eine Ortsgemeinde herausberufener Christen benutzt: „die Gemeinde [ekklesia] Gottes in Korinth“ bzw. „die Gemeinde [ekklesia] in Thessalonich“ (1. Korinther 1,2 bzw. 1. Thessalonicher 1,1).

Darüber hinaus kann mit ekklesia das gesamte Volk Gottes gemeint sein, dessen Haupt Jesus Christus ist: „Christus [ist] das Haupt der Gemeinde [ekklesia], die er als seinen Leib erlöst hat“ (Epheser 5,23).